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Eduard Zache.
können sich die Gletscherschrammen auch erst zu dieser Zeit gebildet haben. Leider ist es nicht mehr möglich, heutigen Tages hierüber Anhaltspunkte zu erhalten. Aus der Literatur aber ergibt sich einiges, was dafür spricht, daß die Schrammen wohl nicht die ganze Klippe überzogen haben, denn in der Arbeit*) sind Stauchungen der obersten losen Platten abgebildet, so daß hier sicher die Schrammen fehlten, denn das lose Material hätte auch hier hinweggeräumt sein müssen, wenn das Inlandeis hinübergegangen wäre. Liese Störungen haben sich daher bei der Aufrichtung der Scholle gebildet, als ihre Oberkante gegen die Eisdecke stieß, und sie lassen sich somit direkt mit den sekundären Störungen von Lehniu usw. vergleichen. Ende der neunziger Jahre fand sich im Alvenslebenbruch eine N-S verlaufende Kinne von 13,5 m Tiefe und 20—25 m Breite, die mit nordischem Material ausgefüllt war, so daß dieser Erosionsprozeß ebenfalls in die letzte Zeit der Eisbedeckung, d. h. nach der Krusteu- bewegung, zu legen ist, während die Entstehung des Grabens selbst wohl durch die Krustenbewegung eingeleitet wurde. Es gibt hier noch einen zweiten N-S gerichteten Graben, nämlich dort, wo die Kreuzbrücke über die Muschelkalkscholle hinüberführt. Mit diesem Graben stehen offenbar die Aufschlüsse im Zusammenhang, welche in der jüngsten Zeit gemacht wurden und zwar von der oberen Sohle des alten Tiefbaus aus. Es handelt sich daher in diesem Ealle sicher um eine sehr junge tektonische Störung, weil nur Spatsande angetroffen wurden, und weil die Spalte sein- tief hinabreicht.
I)ie eben beschriebenen Störungen gehören zu Örtlichkeiten mit ausgeprägtem landschaftlichen Charakter. Es bleibt noch eine Stelle übrig, die alle anderen nach dieser Hinsicht bei weitem übertrifft. Sie liegt auf der Grenze einer der größten Schollen der Provinz, nämlich am Nordrande des Sächsischen Grenzwalles und zwar dort, wo er den Namen Hoher Fläming führt. Diese Scholle stößt hier an den ausgeprägten Planegraben zwischen dem Hohen Fläming und dem Lelniiner Plateau. In der Arbeit**) werden schöne Photographien wiedergegeben mit großen Störungen aus den Tongruben östlich von Niemegk bei Kirstenhof. Die Tafeln bieten das typische Bild: Das Liegende ist ein in enge Sättel und Mulden zusammengepreßter Ton, der von einer horizontalen Linie abgeschnitten wird, und das Hangende besteht aus einer | — 1 m mächtigen Decke aus Geschiebelehm. Das Liegende als Ganzes genommen bildet einen deutlichen Sattel, dessen Längsachse parallel mit der Chaussee Niemegk-Haseloff streicht, d. h. von Ost nach West. Alle drei Gruben stehen nämlich mit
*) Wahnschaffe: Erläuterungen zur geolog-. Spezialkarte von Preußen. Blatt Rüdersdorf Berlin 1900. S. 61 u. 62.
**) Keil hack, K.: Geologische Beobachtungen während des Baus der Branden- burgisehen Städtebahn. Sonderabdruck aus dem Jahrb. der Kgl. I’reuß. Geolog. Landesanstalt für 1906. Berlin 1906.