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Friedrich Wienecke.
holte Klagen beweisen, selten ungetrübt und löste sich auf, einmal, weil die Parochialschullehrer den Hilfslehrern zu wenig zahlten und zu viel Arbeit verlangten, zum andern aber, weil letztere die Schwächen ihrer Lehrherren zu sehr kennen lernten und bei zunehmenden Jahren ihre Pflicht nicht mehr pünktlich erfüllten. Der Mangel an geeigneten Hilfslehrern wurde namentlich um die Wende des Jahrhunderts recht fühlbar; die Lebensverhältnisse waren infolge der vielen Kriege bedeutend gestiegen, und daher war der Beruf wegen der geringen Besoldung wenig verlockend. Der Leiter der durch den Minister Freiherrn von Zedlitz 1780 begründeten Normalschule, Dragonerstraße 22, Samuel Ludwig, ein Schüler F. E. v. Rochows, hatte mit seiner Schule ein Seminar 1 ) verbunden, d. h. er bildete privatim Leute für den Lehrerberuf aus. Aber die Arbeitslast hatte die Arbeitskraft überstiegen; Ludwig war 1798 an Erschöpfung gestorben.
Diesen Gedanken nahm Michaelis 1802 wieder auf. Die von ihm vorgebildeten Lehrer bewährten sich gut, und unter ihnen auch der von der Potsdamer Erwerbschule berufene. Der Hofprediger Pischon in Potsdam, dem die genannte Schule unterstellt war, ermunterte Michaelis, in seinem Bestreben fortzufahren, und dieser zog, da er die Arbeit nicht allein bewältigen konnte, die Lehrer Buge, Köbike und Kupsch zur Mitarbeit heran. Sie verpflichteten sich, junge Leute unentgeltlich für den Lehrerberuf auszubilden und nahmen den von Michaelis hierfür entworfenen Plan an. Von ihrem Vorhaben hörte der Inspektor des Landschulmeister- und Küsterseminars, Herzberg, und bot Michaelis an, die zu errichtende Anstalt mit dem von ihm geleiteten Seminar zu verbinden. Dieser lehnte entschieden ab; denn Herzberg hatte sich den Bitten der Parochialschullehrer um Überlassung von Hilfslehrern stets ablehnend verhalten, und das von ihm geleitete Seminar entsprach bei weitem nicht den Anforderungen der Zeit. Geordnete Jahreskurse gab es nicht; die Zöglinge kamen und wurden nach Bedürfnis entlassen; es war ein Unterrichten ohne Anfang und Ende. Außerdem mußte Michaelis einsehen, daß sein selbstbewußtes Auftreten eine Harmonie mit Herzberg von vornherein ausschließen würde. Der Vorschlag wurde abgelehnt, und das verletzte den Herzberg tief. Als die genannten Lehrer den Plan 2 ) für das Seminar mit einem Gesuch um Erlaubnis zur Eröffnung dem Oberkonsistorium einreichten, wurde letzteres auf Betreiben des Oberkonsistorialrats Hecker, dem das Seminar unterstellt war, abgelehnt. Doch Michaelis gab seine Idee nicht auf. Er wußte, wie günstig man am Hofe über ihn dachte, und trug seine Bitte dem Kabinettsrat Beyme persönlich vor. Dieser sagte ihm, er möge eine Imme-
') 1795 hatte der Kantor der Domschule, August Hartung, ein Seminar für reformierte Lehrer mit der genannten Schule verbunden. Außerdem bestand noch ein Seminar für französisch-reformierte Lehrer.
a ) Beilage 2.