Heft 
(1911) 19
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11. (3. ordentliche) Versammlung des XIX. Vereinsjahres.

Zoologenkongreß eingesetzte vorberatende Komitee wird alsdann seine Arbeit als beendet betrachten.

XL Das Vinetariff zwischen Bansin und Koserow an der Vor- pommerschen Küste hat nicht nur die Volksphantasie angeregt ünd zur Sagenbildung Veranlassung gegeben, sondern auch die Gelehrten vielfach, nicht minder gelegentlich die Brandenburgia beschäftigt. Prof. Dr. Wilhelm Deecke, früher in Greifswald, jetzt in Freiburg-Breisgau glaubte, die auf dem Meeresgründe ruhenden Felsblöcke als Bauwerke aus der Vorzeit, als Steingräber erklären zu sollen, die beim Absinken der Küste unter den Spiegel der Ostsee geraten seien. Eine Senkung der Küste hat freilich stattgefunden, und in der Periode, die zwischen der Eiszeit und diesem Vorgang liegt, haben offenbar Menschen an solchen Stellen gewohnt, die heute das Meer bedeckt, wie vorgeschichtliche Funde an der Prerowbank beweisen. Daraus folgt aber noch keineswegs, daß die Blöcke des Vineta- riffs Steingräber sind. Die Beobachtungen der Küstenveränderung am nahen Streckelberg führen dagegen zu einer viel einfacheren Erklärung. Die dortige Steilküste wird w T ie jede andere ihrer Art jahraus, jahrein von den Wellen zernagt, die gleichzeitig das Material mit fortnehmen. Dabei werden die kleineren Geschiebe zerrieben; die größeren Blöcke dagegen bleiben infolge ihres Gewichts da liegen, wo sie bloßgelegt wurden. Die Steilküste reichte früher viel weiter ins Meer hinein, und beim Abbruch der Küste entstand auch das Vinetariff, weil der Geschiebelehm gerade dort überaus reich an Einschlüssen war. Diese Erklärung vertritt Pro­fessor Dr. Solger in dem unter IX besprochenenDünenbuch. Das Volk wird natürlich von seiner altgewohnten Vorstellung nicht lassen und auch ferner in den Vinetafelsen die letzten Spuren der dort untergegangenen Stadt erblicken, die am Ostermorgen aus den Fluten auftaucht und dann wieder versinkt. Der Sage nach ist Vineta die größte Stadt Nordeuropas gewesen, die aber zur Strafe ihren Untergang fand, weil ihre Bewohner ein lasterhaftes Leben führten. Es wird auch erzählt, die Bürger wären einst in Streit geraten, und die eine Partei hätte die Schweden ins Land gerufen, die dann die Stadt ausraubten und bis auf den Grund zerstörten. Die Schweden haben ja in Pommern überhaupt eine überaus lebhafte Er­innerung zurückgelassen, und wenn in der Winternacht auf Haff oder See die Hartborsten krachend das Eis zersprengen, dann lieißts noch immer: Der Sclnvede kommt auf Schlitten über die See, um noch die Schätze zu holen, die er im großen Kriege nicht fortschaffen konnte. Ich habe mich angelegentlich mit demselben Problem an Ort und Stelle beschäftigt und freue mich, daß Herr Solger meiner seit Jahrzehnten vertretenen Theorie über die Entstehung und Herkunft der Geschiebeblöcke, welche das Vineta- Riff bilden, nunmehr ebenfalls beipflichtet. Die Vorstellungen von Vineta oder Jumneta als Stadt knüpfen sich an das alte Wollin oder Jul in und die dabei belegene Jomswikingerburg an.