Heft 
(1911) 19
Seite
371
Einzelbild herunterladen

13. (10. außerordentliche; Versammlung des XIX. Vereinsjahres.

371

13. (10. ausserorflentl.) Versammlung des XIX. Vereintes.

Sonnabend, den 15. Oktober 1910,

Wanderfahrt nach Schloss Friedrichsfelde bei Berlin

unter Leitung des I. Vorsitzenden, Herrn Geheimrat E. Friedei.

Auf dem Wege vom Bahnhof zum Schloßpark kamen wir an der Stelle vorüber, wo Napoleon am 28. Oktober 1806 die Parade über die Truppen des Marschalls Davoust, auf demOberfelde abgenommen hatte um sie für die bei Jena bewiesene Tapferkeit zu ehren. Das ehemalige Paradefeld liegt gegenüber dem Hause Berliner Straße 15. Die Bepflanzung dieser Straße mit mehreren Baumreihen hat zur Bildung der Volkssage Veranlassung gegeben, die Berliner Schlächterinnung habe einst die Bäume zur Strafe für irgend ein Vergehen pflanzen müssen. Au der 1890 neu erbauten Kirche begrüßte Superintendent Klügel als Vertreter des am Er­scheinen verhinderten Landrats v. Treskow die Gäste und führte sie zu­nächst in den noch von Benjamin Paule, dem Begründer der branden- burgischen Marine, um 1690 angelegten herrlichen Park. Schöne alte Bäume umgeben weite Rasenflächen, und mit den landschaftlichen Reizen verknüpfen sich bedeutsame geschichtliche Erinnerungen. Schnurgerade Wege, eingefaßt von hohen Linden, bezeugen den Geschmack derZeit der ersten Anlage, eines Werkes holländischer Gartenkünstler. Wie im Park von Sanssouci bemerkt man jedoch auch an einigen Stellen den Einfluß der durch Pückler unh Lenne bei uns eingeführten englischen Park- und Gartenkunst, Nur der westliche Teil des Parkes darf sonst ohne be­sondere Erlaubnis betreten werden; doch hat hier der Schloßherr auf einem zu dem Zwecke angekauften Grundstück, der ehemaligen Dorfhutung, einen großen Spielplatz angelegt, der von Berliner Sonntagsausfliiglern viel be­nutzt wird, was an jedem Montagmorgen dasStullenpapier, dieVisiten­karte des Berliners, bezeugt. Zu beiden Seiten des einfachen Schlosses stand bis 1888 einKavalierhaus, deren eines als Komödienhaus diente und dazwischen ein Teehäuschen; auch war früher südlich vom Schlosse wie in Rheinsberg ein Naturtheater vorhanden, von dem jedoch kaum noch Spuren übrig geblieben sind. Zahlreiche Sandsteinfiguren, griechische Götter und Helden darstellend, finden sich hier und da im Park; im südwestlichen Teile liegt das Erbbegräbnis der Familie v. Treskow. Eine Volkssage be­richtet: Kaiser Friedrich habe das Gut kaufen wollen, jedoch die Bedin­gung gestellt, das Erbbegräbnis müsse entfernt werden; daran sei der Ver­kauf gescheitert. Eine merkwürdige Verkennung des pietätvollen Sinnes Kaiser Friedrichs! Am Haupteingang zum Parke steht noch ein altes Wacht- haus, das um 1770 von Invaliden aus dem Regiment des Prinzen Ferdinand bewohnt wurde, die hier zuweilen, wenn hoher Besuch eintraf, Wacht-

25*