13. (10. außerordentliche) Versammlung des XIX. Vereinsjahres. 373
Giitsherrscliaft finden wir die altberlinische Familie Eyke (Reiche); Bürgermeister Berndt Ryke, der 36 ’/ 2 Hufen besaß, wurde 1448 nach der Niederwerfung des Berliner Aufstandes durch Friedrich den Eisernen verbannt und sein Besitz ging in die Hände seines Vetters Henning Ryke über, der 1451 starb, Friedrichsfelde muß dann wohl, an den Landesherrn zurückgefallen sein; denn 1518 belehnte dieser zwei Gebrüder Ryke dort mit einer Anzahl Hufen und 1559 den Bürgermeister Reiche mit den 22 nach der Reformation eingezogenen Hufen der Spandauer Nonnen. 26 Jahre später brach ein Vermögensverfall der Familie Reiche herein und 1590 nahm der Kurfürst die Hufen an sich, nachdem Berlin vergeblich versucht hatte, sie zu gewinnen. Dann erlöschen die urkundlichen Nachrichten, die wohl im dreißigjährigen Kriege verloren gegangen sind. Zur Zeit des Großen Kurfürsten war der Geh. Kriegsrat v, Grumbkow Besitzer eines Teiles von Rosenfelde, nach seinem Tode 1690 ging dieses in die Hände des Begründers der brandenburgischen Flotte, Benjamin Raules, über, der auch 1695 den Berliner Anteil für 2200 Mk. kaufte. Er erbaute ein Lustschloß, legte den Park an und feierte hier fröhliche Feste, an denen auch der Kurfürst oft teilnahm. „Der Kurfürst und was fürstlich heißt“, so reimte der Hofpoet v. Canitz, „haben jüngst beim Raule gespeist, mittags zu Rosenfelde.“ Als Raule 1698 in Ungnade gefallen und Rosenfelde landesherrlich geworden war, begann eine neue Glanzzeit für den Ort. 1700 wurde der Name in Friedrichsfelde umgeändert; vor kurzem kat man eine Straße in Friedrichsfelde nach dem alten benannt, Die Zeit nach 1700 hat Th. Fontane trefflich und eingehend geschildert; 1717 schenkte Friedrich Wilhelm I. Schloß und Park dem Markgrafen Albrecht Friedrich von Schwedt, einem jüngeren Sohne des Großen Kurfürsten (1717—31), während das Gut Staatsbesitz blieb. 1719 wurde das heutige Schloß erbaut; es hat seitdem nur geringe Veränderungen erlitten. 1720 wurde in Friedrichsfelde Ernst Gottlieb Woltersdorf, der fruchtbarste Kirchenliederdichter, den die Mark hervorgebracht hat, als Sohn des Pfarrers Lukas Woltersdorf, geboren; er starb 1761 als Geistlicher in Bunzlau; das Provinzialgesangbuch enthält noch eins seiner Lieder. 1726 führte Friedrich Wilhelm I. das sogenannte „Simultaneum“ in Friedrichsfelde gewaltsam ein, so daß hier Reformierte und Lutheraner gemeinsam den Gottesdienst besuchen und das Abendmahl genießen konnten. Die kirchlichen Einigungsbestrebungen, die zur Zeit des Großen Kurfürsten begannen und 1817 zum Ziele führten, fanden darin ihren eigenartigen Ausdruck. Albrecht Friedrichs Sohn Markgraf Karl (1731—1762), ein kunstsinniger Herr, baute das Schloß aus und legte den „Stucksaal“ und die schöne eichengeschnitzte Treppe an. Seine reichhaltige Gemäldegalerie wurde später verkauft. 1760 fielen die Russen unter Tottleben in Fr. ein und hausten hier 9 Tage. Karls Tochter, Elisabeth von Anhalt, verkaufte das Schloß 1762 an den Prinzen Ferdinand, den jüngsten Bruder Friedrichs des Großen (1762 — 65). Wie