Heft 
(1914) 22
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Zur Geschichte der Ziegelstraße in Berlin.

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der Kasanneil des zweiten Regiments Artillerie. Noch in Betracht zu ziehen wäre die seit 24. Juni 1835 so benannte Johannisstraße, früher Kirchhofstraße, von der Nicolai S. 79 sagt:Die Kirchhofstraße geht gleichfalls ans der Wassergasse rechter Hand bis an die Friedrich­straße. Die Kalkscheunenquergasse führt hinter dem Kasannen quer von der Kalkscheunen- zur Kirchhofstraße. Die mehrgenannte, unsere Ziegelstraße schneidendeWassergasse ist die jetzige Artilleriestraße. Dieselbe (Vogt a. a. O. S. 6), in den Jahren 1702 bis 1705 angelegt, hieß zuerst in ihrer ganzen AusdehnungWassergasse. Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde der Teil zwischen der Linien- und Auguststraße Bernhards Gasse (nach einem dort belogenen Bernhardschen Garten), der übrige TeilWasser-Gasse benannt. Der heutige Namen wurde ihr laut Bekanntmachung des Königl: Polizeipräsidiums vom 24. Oktober 1827 wegen der gegenüber am Kupfergraben belegenen Artilleriekaserne erteilt.

II.

Sehen wir uns nunmehr in den ältesten Plänen nach unserer Ziegel­straße um. Aus der ehemaligen Kunstkammer ist in das llohenzollern- Museum ein sehr großer malerischer Plan, plan geometral de Berlin et dos environs vom Jahr 1685, gelangt, der uns nördlich von der Weiden- danimer Brücke eine (wahrscheinlich Linden-) Allee zeigt, in östlicher Richtung nach dem späteren Monbijou-Garten führend; das ist offenbar der Anfang der Ziegelstraße. Nahe der Friedrichstraße ist ein quadratischer Raum mit Hecken umfriedigt. Links stehen Baracken offenbar zum Trocknen der geformten Ziegelsteine, ebenso hinten quer vor. In der Mitte sind, leider undeutlich, Baulichkeiten angelegt, in denen ich eine Ziegel- und Kalkbrennerei vermute; an der Seite rechts scheinen Kalk­gruben angedeutet zu sein. Auf diesem Viereck ist eine Nr. 26 mit der BezeichnungZiegelhütten angebracht. Auf einem ähnlich orientierten Plan von Job. Bernhard Schulz aus dem Iahr 1689 wird unter der BezeichnungChurf. Ziegelbrennerey die Lindenallee deutlich ersichtlich. Auf dem rechten Spreeufer erscheint die Ziegelstraße von einem hohen llolzzaun begrenzt. Auf dem Grundstück ist ein anscheinend einstöckiges Haus ersichtlich, die Giebelseite nach der Friedrichstraße zu mit 2 Fenstern in der Front und darüber noch ein Fenster im hohen Giebel. Das Dach hat auf dem hohen Dachfirst je ein senkrechtes Giebelzeichen und in der Mitte einen kleinen Schornstein, aus welchem Rauch aufzusteigen scheint, wohl das Haus des Verwalters der Ziegelei und der Kalkbrennerei. Daneben rechts steht noch ein kleineres Haus (undeutlich, weil von den Baumkronen der Linden verdeckt). Auffallend groß ist der Abstand dieser kurfürstlichen Ziegelbrennerei von der Weidendammer Brücke; es durfte hier wohl ein feldmesserischer Fehler vorliegen. Bei Geppert, Chronik von Berlin (1839), finden sich die Baulichkeiten ganz anders