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Dr. A. Kiekebnach
eine heimtückische Krankheit; der erschütterte, allzeit glaubensstarke Vater vermochte ihnen noch ein poetisches Denkmal zu setzen. Bereits 1702 hatte er Egers Heilquellen aufsuchen müssen. Immer ausschließlicher gehörte seine Kraft dem Beruf. „Gleich einem Licht“, so schreibt sein erster Biograph, „verzehrte er in seinem Amt sich selbst je mehr und mehr.“ 1713 ergriff' ihn eine schwere skorbutische Krankheit, die eine große Schwäche zurückließ; er fühlte, erst 47 Jahr alt, sein nahendes Ende; nur mit größter Anstrengung verwaltete er sein Amt. Ein roher Gewaltstreich ward Anlaß zu seinem Tode. Bei der Abendmahlsfeier am Ptingstmorgen 1714 drangen plötzlich preußische Werber ins Gotteshaus ein und rissen aus der Schar der Kommunikanten einige Jünglinge vom Altar weg zum Kriegsdienst. Schreck und Empörung über solchen Frevel versetzten Gottfried Arnold den Todesstoß. Mit sinkender Kraft hielt er noch am Nachmittag eine Leichenfeier. Die drei letzten Tage saß er dann still im Lehnstuhl, vertieft in Gott und göttliche Dinge. Der Tod nahte; Ängste wechselten mit seligen Bildern. „Wie wohl, ach, wie wohl ist mir!“ sagte er zu seiner treuen Gattin. „Siehst du nicht die Engel? Ach, wie schön!“ Dann richtete er sich mit Kraft noch einmal auf uud rief laut: „Frisch auf, frisch auf, die Wagen her und fort!“ Das waren seine letzten Worte. Fast die gesamte Gemeinde Perlebergs gab dem treuen Mann das Trauergeleite. Tiefbewegt rühmte sein Amtsgenosse Kruse des Heimgegangenen Kraft und Treue, jeder ersehnte für sich selbst das selige Scheiden dieses Gerechten. Die dankbare Gemeinde setzte ihm einen mächtigen Stein voll Dankes- und Glaubensworten. Die Inschrift kennen wir nur aus einer Schrift; ihr Umfang im weitschweifigen Stil damaliger Zeit läßt auf eine ungeheuer große Grabplatte schließen, die ohne feindselige Vernichtung kaum zerbrochen und in allen Teilen verloren gegangen wäre; nicht einmal eine Gedenktafel hat das vergeßliche Geschlecht der Nachgeborenen ihm bisher gestiftet. Darum ist mit dieser schlichten Darstellung eine Ehrenpflicht Perlebergs erltillt. Denn auch die Asche eines Hus ist in den Rhein gestreut, der Leichnam Savonarolas verbrannt, und siehe, sie leben dennoch.
So starb am 30. Mai 1714 Gottfried Arnold, der mannhafte Kämpfer und Glaubensheld, der Forscher und Kirchenliederdichter, viel gehaßt, aber auch viel geliebt, Seine Zeit in Unruhe, seine Hoffnung auf Gott!
Längst sind seine Feinde verstummt und seine Freunde zu Staub geworden. Die Stadt aber, in der er mit Weisheit und Hingabe guten Samen ausgestrent, blüht und gedeiht, das Gotteshaus, in dem er gewaltet, ist frisch erstanden. Ist auch die Stätte nicht mehr zu finden, wo der müde Leib des Gottesmaunes zur letzteu Rast gebettet ward, so werde doch von den Nachgeborenen seiner alten Gemeinde sein gedacht bei