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Dr. Albert Kiekebusch.
darauf hin, wie umfangreich die Arbeit ist, die geleistet werden muß, um die große Zahl der Fundstellen zu untersuchen. Da zur Durchführung dieser Untersuchungen recht erhebliche Mittel und Kräfte gehören, so wird noch eine geraume Zeit vergehen, bis auch nur ein Teil der vorhandenen Siedlungen einigermaßen gründlich erforscht ist. Auf jeden Fall hat sich die von fast allen und auch von ganz hervorragend tüchtigen Forschern bis in die neueste Zeit hinein vertretene Ansicht, daß von den vorgeschichtlichen Dörfern kaum etwas übrig geblieben sein könne, als gewaltiger Irrtum erwiesen.
Bei der in jüngster Zeit einsetzenden Ansnutzung des Bodens durch Bebauung und durch den Wirtschaftsbetrieb ist Gefahr vorhanden, daß alljährlich zahlreiche Siedlungen zerstört werden und ihre Spuren später nicht oder so gut wie gar nicht mehr beobachtet werden können. Ein einzelner ist auch mit den Mitteln eines großen Museums nicht imstande, selbst auf räumlich beschränktem Gebiete die Interessen der Wissenschaft im vollen Umfange wahrzuuehmen. Dazu bedarf es einer Organisation. Es wäre zunächst unbedingt notwendig, daß alle Museen innerhalb einer Provinz sich zu gemeinsamer Arbeit zusammenschließen. Es ist weiter aber auch notwendig, daß an den großen Museen die Forschung systematisch betrieben wird unter Heranziehung wissenschaftlich interessierter nnd gut vorbereiteter Hilfskräfte.
Ich denke hier nicht etwa an die Einrichtung von Pflegschaften, die sich nach verschiedenen Richtungen hin nicht überall bewährt haben und oftmals durch Heranzüchtung von Privatsammlern die Interessen der Gesamtheit empfindlich schädigten. Ich denke vielmehr an einen Kreis begeisterter, sachkundiger Altertumsfreunde, die im Dienste der Wissenschaft und in Anlehnung an ein Museum als Forschungsinstitut an der Förderung der siedlungsarchäologischen Forschung im weitesten Sinne mitarbeiten wollen, ohne unter dem Scheine uneigennütziger Arbeit eigene Sammlungen anzulegen. Zur Begründung derartiger Einrichtungen ist jetzt die geeignete Zeit. Das Interesse für heimische Altertumskunde erfaßt immer weitere Kreise. Heimatpflege und Heimatkunde erobern sich auch die Schule, und alles, was heimisch ist, wird nach dem großen Kriege noch liebevoller betrachtet und gehütet werden als vorher.
Jahrelange Vorarbeiten und vor allem die seit der Entdeckung des bronzezeitlichen Dorfes bei Buch von uns mit besonderer Sorgfalt gepflegte Siedlungsforschung ermöglichen es, in Anlehnung an das Märkische Museum schon jetzt mit der systematisch betriebenen Siedlungsfoischung in der Provinz Brandenburg den Anfang zu machen. Aus der Zahl der Teilnehmer an den von der Städtischen Schuldeputation am Märkischen Museum veranstalteten Lehrerkursen zur „Einführung in das Verständnis