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Die Lutchen der Niederlausitz.
an. Die Touren derselben sind durch die 4 Bahnen im Norden von Berlin zu machen. Aus dem Jahresberichte des Clubs, welcher Mitglied unserer Gesellschaft ist, geht dessen rege Thütigkeit im Jahn* 1892 hervor. Unter der Leitung geübter Führer wurden 25 Ausflüge unternommen, auf denen 29 Städte und 68 Dörfer besucht wurden. Der Club verwahrt sich ausdrücklich dagegen, nur Gelegenheit zum Marschieren bieten zu wollen, da er im Gegenteil sein Augenmerk darauf richtet, seinen Mitgliedern Gelegenheit zu geben, Land und Leute der Heimat kennen zu lernen.
Um 9 Uhr schloss der Vorsitzende die Sitzung, und die Teilnehmer vereinigten sich noch zu einem geselligen Teil im Ratskeller.
Die Lutch en der Niederlausitz.
W. v. Schulenburg.
Wenn ich hier im Folgenden über die Lutchen Mitteilungen mache, diese „Lieblinge“ der Niederlausitzer Bevölkerung, so stütze ich mich dabei ausschliesslich auf meine eigenen Nachforschungen und Sammlungen 1 ), wie ich sie angestellt habe im Laufe längerer Jahre und im stäten Verkehr mit der serbisch-redenden Bevölkerung der Niederlausitz, zum Tlieil auch in der preussischen Oberlausitz, und übergehe andere Quellen, weil sie mir in den Grundzügen nicht volkstümlich genug erscheinen. Ich werde mich bei der Fülle des Stotfs auf gewisse Hauptpunkte beschränken.
Was nach der Überlieferung des Volkes die äussere Erscheinung der Lutchen anbetrifft, so waren sie von Gestalt klein, indessen doch stark und kräftig, und trugen, wie mehrfach berichtet wird, rote Kleidung, nämlich rote Jacken und rote Mützen. In ihrem Wesen waren sie gut, freundlich, teilnehmend und erkenntlich, doch leicht gereizt und verletzt, wenn ihnen Unrecht geschah. So habe ich selbst noch eine Frau im Oberspreewald gesehen, die klein von Gestalt war. Ihre Mutter hatte immer über die Lutchen gespottet, weil die klein sind, darum ist ihre Tochter nun so klein geblieben, sagte man. Die Lutchen lebten scheu und zurückgezogen für sich, vereinzelt, Mann und Frau, in Erdlöchern. Unter solchen Erdlöchern versteht das Volk aber nicht bloss Löcher in der Erde, sondern Gänge, Erdhöhlungen, Entwöhnungen, Erdbauten, sogenannte Erdbudiken, Budike vom slavischen budka, die
1) W. v. Schulenburg. Wendische Sagen. Leipzig 1880. Wendisches Volkstum. Berlin 1882.