Die Lutchen der Niederlausitz.
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Hütte. Derartige Erdbauten werden genauer beschrieben. Es führte
ein Gang schräg in die Erde hinein, vorn mit Steinen verpackt. Dieser Gang führte in den eigentlichen Wohnraum, der nach oben, d. h. nach aussen mit Rasen eingedeckt war. Ein solcher eskimoartiger Bau soll gewesen sein in dem Dorfe Böhlitz bei Lübbenau. Ich selbst habe noch Lutchenlöcher gesellen, serbisch genannt ludkowe doly oder ludkowe zery, in der an volkstümlichen Überlieferungen ausserordentlich reichen Gegend zwischen Spremberg, Muskau und Hoyerswerda. Es waren
Gruben von etwa 10 Euss Durchmesser und entsprechender Tiefe. Doch sah ich auch eine sehr viel grössere da, wie mehrere dort sind. Noch
haben die laitchen gewohnt in dem unterirdischen Gange, der hinab
führt von der Georgenkapelle in die Stadt Spremberg und zwar in die „Langestrasse“. Die Georgenkapelle liegt auf dem durch seine natürliche Lage und Schönheit berühmten Kirchhof von Spremberg. Es heisst auch von den Lntchen: sie haben kein bleibend Quartier gehabt.
Bei Tage hielten sich die Gütchen meist in ihrer Behausung auf und kamen erst in der Dämmerung zum Vorschein. Sie verkehrten auch mit den Menschen, indessen immer nur mit einer einzelnen Familie in jedem Dorfe, was ich hervorhebe, und zogen sich vor andern gleich zurück und wichen ihnen aus. Ebensolche Scheu hatten sie auch vor Hunden. Wo Hunde waren, kamen sie. nicht heran. Diese nannten sie wosceraek. Das Wort malt das Zähnefletschen des wütenden Hundes. An dem, man kann sagen auf beiden Erdhälften berühmten, Schlossberge zu Burg im Uberspreewald wohnen noch heute Bauersleute. Namens Gaschki. Zu deren Vorfahren kamen auch die Gütchen. Mal hatte Gaschki ein neues Thor von Staketen. Wie die Gütchen dann kamen, blieben sie von fern stehen. Die Laschkis fragten, warum sie nicht näher kämen. Die Gütchen sagten: sie dürfen nicht, die weisen so mit den Zähnen auf sie, die werden sie heissen. Sie meinten die Zaunspitzen; sie hielten sie also für Zähne. Es tritt uns in dieser Anschauung der Gütchen dieselbe Vorstellung entgegen wie in dem "pxoc öäövtwv des Homer, dem Geliäge der Zähne.
Über das häusliche Geben der Lutchen ist wenig bekannt. Man weiss nur, dass sie gekocht haben. In das Dorf Schmogrow kamen sie des Nachts und kochten sich Essen bei den Leuten ein. Auch Butter haben sie gemacht. In Musswerch stammen von ihnen noch die Worte butricka und standka. Butrieka, gebildet von butra, Butter, hiess dort die Buttermilch, sonst in der Niederlausitz wendisch srowatka. Standka ist das deutsche Wort Staude oder Stamm mit slavisclier Endung ka. Ebenso haben sie Brot gebacken, und haben auch Korn gehabt, denn noch heisst nach ihnen das ludkowe zyto, das Gütchen körn, eine Grasart, deren Ähre dem Roggen oder der Gerste ähnelt. Es ist Hordeum murinum, nach Herrn Professor Urbans Bestimmung.
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