Heft 
(1893) 2
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Die Lutchen der Niederlausitz.

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man die Erde benutzt hat, um durch Aufschüttung aus Wiesen und Sumpfstrecken Äcker herzustellen, ln diesemNoaksberg wohnten die Lutchen. Als sich das Mädchen eines Abends mit ihren Kühen verspätet hatte, wurden die Lutchen sehr böse und trieben sie mit Peitschenhieben vom Berge. Ebenso konnten sie Singen und Pfeifen nicht leiden. Kinder, die beim Dorfe Müschen Vieh auf dem Felde hüteten, baten sie, sie möchten das lassen, weil sie das durchaus nicht vertragen könnten. Noch weniger konnten sie die Glocken der Kirchen hören, das brauste ihnen so. Die Kirchenglocken nannten sie brumbaki. Brumbak nennt man noch heute in der Niederlausitz z. B. die summende flummel, den brummenden Käfer und andere Brummer. Wie die Brumbaken kamen, da haben die Lutchen Vergang genommen; vor Schreck sind sie in ihr Geschirr gekrochen und darin auch gestorben. Und wie die Werbensche Kirche kam, eine der älteren in der Niederlausitz, da liefen die Lutchen auf den Bergen hinterm Dorfe Burg zusammen und sagten:Net fort, net. musymy fort, net pridu te brumbaki, nu fort, jetzt müssen wir fort, jetzt kommen die Brumbaki, und die Lutchen auf dem altehr­würdigen Schlossberge sagten:

Te brumbaki lagu clo swöta, '

My musymy neto ze sweta.

Die Brumbaken kommen in die Welt,

Wir müssen jetzund aus der Welt.

So haben die Lutchen Vergang genommen, aber ganz verschwunden sind sie nicht, sie haben sich nur bei Seite gemacht. Es geht die Rede, es giebt. noch welche, muss sein, wo keine Glocken sind.

Die Lutchen waren die ersten Menschen vor diesen, die Ein- gebornen, die Vorschen, die Vorherschen, te perejse. Sie waren keine christlichen Leute, sondern heidnische Leute.

Sie haben gelebt zu den Zeiten der ganz Alten, der Vater des Grossvaters hat sie noch gesehen und die Grossmutter noch mit ihnen gesprochen, und der Lutchenschulze am Lutchenberge in Friedland heisst noch nach ihnen. In den 70er Jahren noch haben sie auf den Bergen hinter Burg-Dorf sich gezeigt.

Mir ist mehrfach berichtet worden im Volke, dass, wenn ein Lutk gestorben war, die anderen den Toten verbrannten, seine Knochen und seine Asche in einen Topf timten und diesen in der Erde vergruben, und dass die Nächsten aus der Freundschaft, wie niaii noch heute in der Niederlausitz im Volke, und auch anderwärts in Deutschland, für Verwandtschaft sagt, sich Näpfchen unter die Augen hielten und darin ihre Thränen auftingen, und die Thränennäpfchen dann um den grossen Topf herumsetzten, wie man denn thatsächlich auf den vorgeschicht­lichen Friedhöfen mit Brandgräbern um die grosse Totenurne kleine Beigefässe herumgestellt findet. So oft ich Augenzeuge im Volke war,