,Im Knissten Dorf“.
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kommt mit dem Mammut gemeinsam vor, war aber in Mitteldeutschland zahlreicher als jenes. Es trug ebenfalls einen dichten Pelz. Der Redner führte sodann aus, wie; es auf den ersten Blick wunderbar erscheine, dass diese erloschenen Elefanten- und Nashornarten in der Eisregion existierten, während alle jetzt lebenden Arten eine tropische oder subtropische Heimat, haben, wie dies aber nicht als Anomalie zu betrachten sei, vielmehr nur als Beispiel für die Biegsamkeit der Konstitution. Er zog hierfür Darwin als Gewährsmann an, welcher wiederum von den Hatten und Mäusen hervorgehoben hatte, wie sie sich überall akklimatisiert hätten, sowohl unter dem kalten Klima der Farör im Norden und der Falklandsinseln im Süden, als auch auf manchen Inseln der heissen Zone. Auch auf die Flora jener Zeit lenkte der Redner noch kurz die Aufmerksamkeit der Zuhörer, indem er bemerkte, dass bei der zerstörenden Wirkung von Wasser und Eis wenig zu erwarten sei. Zwar hätten einige Forscher gewisse Torflager, welche zwischen Diluvial- schichten gefunden wurden, für interglazial erklärt, aber es habe sich hierüber ein heftiger Streit entsponuen, der noch nicht entschieden sei. Soviel sei nur sicher, dass unsere Moore 125 Pflanzen beherbergen, von denen nicht weniger als 106 auch in Lappland , Island , an der Nordküste Sibiriens und auf den Alpen wachsen, so dass also 84,8% unserer einheimischen Moorpflanzen arktisch-alpinen Ursprungs seien. Wir dürfen sie daher wohl als die Reste jener Eisflora ausehen, welche zur Zeit der Vergletscherung an den eisfreien Stellen gedieh, und welche damals die Verbindung zwischen Norden und Süden herstellte. Auch dieser Vortrag- erntete den vollen Beifall der Hörer.
Mittlerweile hatten einige Bedienstete des Herrn Körner einen Wandsturz vorbereitet; am Schlüsse des Vortrages setzte sich die ganze 20 m hohe Kieswand langsam in Bewegung und rutschte unter dumpfem Brausen herab. Herr Grubenbesitzer Körner ersuchte nach Bergmannssitte den Stadtrat Friedei, für die „Brandenburgs “ drei Spatenstiche zu tluin. Dies geschah, mögen sie dem wackeren Eigentümer der Kiesgruben, welcher die Naturwissenschaften durch Fundstücke aus seinem Gelände stets freigiebig unterstützt hat, „Glück auf!“ bedeuten.
Nunmehr forderte Mitglied Körne r zu einem Rundgang durch sein Grundstück auf. Dasselbe ist in der Sohle der abgetragenen Bergwand angelegt und beherbergt neben einigen dichten Gebüschen und kleinen I eichen zum grössten Teil Kulturen aller Art, z. B. Erdbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, zum 'Feil noch mit den letzten Früchten eines reichen Sommers, dann kräftige Obstbäume verschiedener Sorten und vor allem prächtige Kürbisse und Sonnenblumen, von denen einzelne Prachtexemplare über 2 m Höhe erreichten, und Köpfe von 1V, m Durchmesser hatten. Am oberen Ende des Gartens erwarteten reichgedeckte lafeln und frisches Bier die Gäste, welche dem Gebotenen auch alle
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