Heft 
(1893) 2
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Das alte und das neue Kixdorf.

Es dauerte auch nicht lange, su war unser Dorf in der beschlos­senen Weise angelegt. In dem auf Befehl Kaiser Karls IV. verfassten Handbuch vom Jahre 11175, das eine genaue Beschreibung der Mark zu jener Zeit enthält, linden wir ganz in Übereinstimmung mit unsenn Gründungsbrief angegeben, dass das Dorf Richardstorp 25 Hufen ent­hält, von denen jede eine halbe Mark Silbers als Pacht, Zins und Bede zahlt. Von diesen 12 Mark hatte der Bürger Nicolas Konncbom in CViln und der Bürger Luborg in Spandau je 5 Mark, der Komtur in Tempel- liof den Rest von 2 Mark. Ausserdem befinden sich dort 4 Kossäten­höfe, und zwar 2 besessene und 2 wüste, von denen jeder 2 Schillinge entrichtet. Von diesen 8 Schillingen erhält der Komtur 4' 3 , der Schulze

2 und die Hüfnergemeinde 1 1n / 2 Schillinge. Der Wagendienst besteht i

3 Tagen Arbeitsdienst jährlich; vom Dorfe werden 12 Rauchhühner ge­geben. Der Komtur hat das oberste Gericht.

Fassen wir kurz die Ergebnisse aus den Angaben der Jahre 1360 und 1375 zusammen, so wohnten damals in Rixdorf 12 Bauern unter ihrem Schulzen und 4 Kossäten auf einem Ackerland von 25 Hufen; kirchlich war das Dorf eine Filiale von Tempelhof, wo auch der Schul­lehrer und Küster wohnte.

Unter dem Schutz des Johanniter-Ordens mag dann unser Dorf zunächst friedlich gelebt haben, bis der Grenzstreit, der zwisc hen.dem Orden und den benachbarten Städten Berlin und Cölln ausbrach, es auch in Mitleidenschaft zog. Wie bekannt, führte der Streit endlich im Jahre 1435 zu einem kriegerischen Angriff der Johanniter auf die Städte, bei dem auch unsere Bauern sich wohl beteiligen mussten. Der Sturm wurde aber von den wackeren Bürgern siegreich abgewehrt, und die beiden Städte beschlossen nun, um den fortwährenden Grenzstreitig- keiten abzuhelfen, die Besitzungen des Ordens anzukaufen. Die Johan­niter waren damit einverstanden, und so konnten schon am 23. Sep­tember desselben Jahres die beiden Städte den Kaufkontrakt ausstellen, der noch im Staatsarchiv vorhanden ist und die Siegel der beiden Städte trägt. Ausser Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde kam da­durch auch unser Dorf, damals Rigerstorpp genannt, als abgabenfreies Rehen des Ordens in chm Besitz der beiden Städte*, und zwar zahlten diese für die 4 Dörfer elie Summe von 2439 Sc hock 40 Groschen.

Die Gegenurkunde des Ordens, durc h die derselbe die Belehnung erteilte und zugleich über den Empfang der Geldsumme emittierte, ist vom 26. September dess. J. datiert. Hier werden ausdrücklich als zu Rix­dorf gehörig erwähnt die Heide, das Bruch und die Wiesen dabei. Aus dieser Urkunde ergiebt sich auch, dass R. damals schon eine eigene Kirc he gehabt hat, denn der Orden behielt sich das Kirchenlehen zu Richersstorp, das zu Tempelhof gehört, vor mit dem Rechte, einen Prior zu Tempelhot zu wählen, der die beiden Dörfer mit den h. Sakramenten versorge.