Das alte und das neue Rixdorf.
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Nachdem R. so in den Besitz der beiden Städte übergegangen war, teilte es auch deren Schicksale. Als daher Kurfürst Friedrich II. mit den Städten in den allbekannten Konflikt geriet, litt auch R. darunter; der Kurfürst besetzte die eben erst erworbenen Dörfer mit seinen Mannen und gab sie erst 1448, als er sich mit den Städten völlig ausgesöhnt hatte, wieder frei.
Friedrich II. liess 1451 ein genaues Verzeichnis der Abgaben anfertigen, die die einzelnen Städte und Dörfer zu zahlen hatten. In diesem „Register des Churmärkischen Landschosses“ heisst es und, wie wir wissen, vollkommen richtig: Richerstorff gehört den beiden Städten Heidin und Cölln. Auf der Feldmark sind 25 Hufen, davon hat das Gotteshaus 1 Hufe. Die anderen zinsen jede s 1 / 2 Schock Groschen. E sind 11 Kossäten (also schon mehr als früher) vorhanden, von denen jeder 18 Pfennige entrichten muss. Die Ziedelweide (d. i. die Bienenweide zwischen R. und Treptow) giebt 1 / 2 Schock. Vom neuen Lande (dies liegt an der Britzer Feldmark und wurde später auch Buschland genannt) entrichten sie 3 Stück.
Das neue Land wurde von der eigentlichen Feldmark getrennt bewirtschaftet und zerfiel in Acker, Wiese und Weide.
Nun hören wir geraume Zeit nichts mehr von unserm Dorfe; erst aus dem Anfänge des 16. .Jahrhunderts erhalten wir Nachricht von Streitigkeiten, die zwischen Berlin und Cölln über die Rechte in den erworbenen Dörfern ausbrachen. Die Berliner Bürger erhielten nämlich von den Einkünften der Dörfer 2 Drittel, die Cöllner 1 Drittel, und nun kam es wiederholt filier das Mass des geschlagenen Holzes und andere Dinge zu langwierigen Prozessen, die endlich i. J. 1543 am 24. August durch einen Vergleich lieendigt wurden. Durch diesen Vergleich ging unser Rixdorf mit allen Zugehörigkeiten in den alleinigen Besitz von Cölln über, das dagegen auf das Einkommen und die Rechte aus den nördlich Berlins gelegenen Dörfern verzichtete. Die hinter R. gelegene Heide blieb auch ferner im Besitze der beiden Städte und hiess deshalb «och lange die „Zwiestädter“ Heide. Dieser Vertrag, dessen Original im Rathaus-Archiv liegt, wurde am 2. Februar 1546 auch vom Johanniter- Ordens-Meister anerkannt, indem er erklärte, dass der Übergang von »Reichsdorff mit der Ileyde“ in den alleinigen Besitz Cöllns an dem Lehnsverhältnis nichts ändere. Zugleich überliess er auch beiden Städten die Besetzung der Pfarre zu Tempelhot, zu der ja als Filiale Rixdorf gehörte. Übrigens rechnete man im Anfänge des 16. Jahrhunderts Tempelhof mit seiner Tochter zum Kirchenbezirk Spandau, der aus beiden Orten Einnahmen bezog.
Die Reformation änderte an dem kirchlichen Verhältnis Rixdorfs zunächst nichts. Nach der Visitation von 1541 gehört „Reichstorff“ laut Protokoll auch ferner zu Tempelhof als Filiale und der TTerrenmeister