Heft 
(1893) 2
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Das alte und das neue Rixdorf.

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Jene Kolonisten legten den Grund zu der Industrie in Rixdorf: sie waren ruhige, friedfertige Menschen, emsige und fleissige Arbeiter. Die meisten von ihnen waren Leineweber, und so beschäftigten sie sich namentlich mit der Verfertigung von leinenem und baumwollenem Zeuge für Berliner Fabrikanten.

Fis gab also seit 1737 zwei Gemeinden Rixdorf: Deutsch-R., das der Kämmerei Berlins gehörte, mit 20 Hufen, eigenem Schulzen, eigener Kirche, und Böhmisch-R., das in seiner Verwaltung dem Königl. Amt Mühlenhof zu Berlin unterstand, mit 5 Hufen, eigenem Schulzen und gleichfalls eigenem Gotteshause.

Aus dem Jahre 1771 besitzen wir von dem Berliner Syndicus Wackenroder eine genaue Schilderung Deutsch-Rixdorfs, an . der wir deutlich den grossartigen Fortschritt des Ortes in unseren Tagen er­messen können.

An Einwohnern, sagt W., sind vorhanden 10 Bauern, 8 Kossäten, 1 Hirt, 1 Schmied und etwa 40 Einlieger-Familien (also gegen 300 Seelen). Das Schulzengericht gehört dem Kriegs- und Kabinets-Minister Frhrn. von Ilertzberg; die 10 Bauern besitzen 19 steuerbare Hufen, die Kossäten haben nur kleine Ländereien. Die Bewohner sind Unterthanen Berlins, haben ihre Höfe erb- und eigentümlich und können sie mit Consens des Magistrats verkaufen. Der Ackerbau ist mittelmässig. Zur Viehzucht ist gute Weide und Wiesenwachs vorhanden. Die Gebäude der Unterthanen bestehen aus gelehmten Fächern mit Stroh- und Rohr­dächern. Auf jedem Hofe ist ein Brunnen und deshalb kein öffentlicher Brunnen vorhanden.

Die Stadt Berlin hat an Gebäuden hier nur das Heideläuferhaus,

nn Hebungen geniesst sie jährlich:

An Zins-Zehrung und Ferkel-Geld . 32 Thlr. 20 Gr. 8 Pf.

An Grund-Zins vom Schmied ... 1 12 -

An Speise- und Gerichtstagsgeld vom

Schulzengericht.5

An Hühner-Zehnt.11 12 -

An Roggen-Pacht 4 Scheffel ä 16 Gr. 2 - 16

Der Fohlen-, Kälber-, Lämmer , Gänse-

Zehnt.15 - 21 - 4 -

An Schoss- oder Schutzgeld von den

Insassen.6 - 12-

insgesamt 75 Thlr.

Die Kirche (das ist die jetzige böhmische steht im Winkel des Dorfes, ist ein uraltes Gebäude mit gemauerten Wänden und durch die letzte Reparatur in guten Stand gesetzt. Der Boden ist mit Balken und Brettern belegt und das Dach mit Ziegeln gedeckt. In dem Turm sind