Heft 
(1893) 2
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Pas ult« und <Ias neue Kisdorf.

2 Glocken und ein« Ulir. Das Gehege um die Kirche bestellt in einem hölzernen Bohlenzaun, worin ein hölzerner Thorweg.

Das Dorf ist nebst Tempelhof Filiale von Britz. Der Prediger er­hält aus dem Dorfe im ganzen 1 Wispet 1 Scheffel Koggen, der Küster 10 Scheffel 8 Metzen Koggen.

Ausser den Leistungen an den Magistrat und die Kirche muss die Gemeinde an Staatslasten folgende an das Amt Mühlenhof zahlen:

An Contribution von 24 steuerbaren Hufen 120 Thlr.

Die Kossäten geben.69 - 23 Gr.

Sa. 189 Thlr. 23 Gr.

Dazu: An Cavallerie-Geld.81 18 -

An Schoss überhaupt.23 - 21 -

also insgesamt 295 Thlr. 14 Gr.

(Die gesamten Abgaben des Ortes betragen also gegen 400 Thlr.)

Eine Schmiede ist auch im Dorfe; sie hat ein bretternes Dach. Der Schmied, dem sie gehört, wohnt in Berlin.

So blieben die Zustände fast unverändert bis zur Mitte unseres «lahrhunderts. Zwar die Einwohnerzahl stieg stetig, sie betrug 1801 376 und 1840 etwa 600 Seelen. Aber die Anzahl der Bauern und Kos­säten blieb unverändert, nur die Büdner nahmen zu, und 1840 gab es ihrer 96. Auch die Einkünfte des Magistrats stiegen, sie betrugen 1840 183 Tldr., wovon 60 Thlr. Zuschuss für einen Dorfschreiber und andere Ausgaben abgingen, so dass ein reiner Überschuss von 110 Tlilrn. ver­blieb. Auch ein Spritzenhaus mit einer guten fahrbaren Dorfspritze war da. Ein neues Schulhaus wurde kurz vor 1840 erbaut und enthielt 4 Klassen für ca. 350 Schulkinder.

Das folgende Jahrzehnt 18401850 bildet gewissennassen den Wendepunkt in der Entwicklung Rixdorfs. 1848 brannte nämlich ein grosser Teil des Dorfes ab; bei dem Neubau sah man auf Verbreiterung der Strasse, die Häuser wurden meist massiv gebaut und mit Ziegeln gedeckt. Besonders einflussreich aber war die durch die moderne Ge­setzgebung erfolgte Separation der Feldmark. Infolge davon nahmen die. Parzellierungen und neuen Ansiedlungen so zu, dass der Ort 1850 schon 2130 Einwohner zählte, unter ihnen 114 Grundbesitzer. Besonders hatten die Gewerbe so zugenommen, dass eine Weber-Innung gebildet und die Gründung einer Schneider-Innung beabsichtigt wurde. Aber die Einnahmen der Stadt Berlin waren geringer geworden, weil alle aus dem gutsherrlichen Verhältnis hergeleiteten Abgaben wegfielen, und be­trugen 1850 nur noch 80 Thlr., während ihre Ausgaben sich auf 109 Thlr. beliefen.

Das Anwachsen der Bevölkerung hatte zur Folge, dass 1854 ein eigener Hilfsgeistlicher für R. bestellt wurde. Allerdings war die Ge-