Heft 
(1893) 2
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Kleine Mitteilungen.

60 Hasen und nicht weniger als 86 verwilderte Katzen. Diesen letztgenannten Ausreissern wird unbarmherzig naehgestellt, da sie neben den Singvögeln auch dem wertvollen Fasanenbcstand der Stadt Berlin, dessen wir wieder­holentlieh Erwähnung gethan haben, recht lästig fallen.

(B. T.-Bl. 1. 6. 1888.)

7. Jagdsport innerhalb Berlins. Ein hiesiger Lehrer ist beim

Magistrat dahin vorstellig geworden, dass ihm ein Jagd- und Waffenschein zur Ausübung der Kaninchen-Pürsche im Humboldtlinin erteilt werde. Der eifrige Nimrod will den Nagern, welche dem Humboldthain durch Wühlen und Nagen allerdings schädlich sind, in der frühesten Morgenstunde vor Tau und Tag mit der Flinte nachstellen. Um diese Zeit treibt das wilde Kaninchengesindel sich unbellistigt von den Menschen, welche noch der liulie pflegen, ziemlich ungenirt im Humboldthain herum. Da der Ilumboldthain früher offenes Ackerland war, so müssen die Tiere sich allmählich unver merkt eingeschlichen haben. (B. T.-Bl. Hl. I. 18811.)

8. Jagd im Berliner Tiergarten. 188'J wurden im Tiergarten

erlegt: 6 Turmfalken, 2 Sperber, 16 Krähen, 19 Eichkatzen. 1888 wurde ein wohl vom (Irunewald versprengter Damhirsch und 1885 wie 1888 je ein Fischotterpärchen erlegt. E. Friede!.

9. Ein weisser Hirsch wurde, einer uns zugehenden Mitteilung zu folge, von einem Berliner, dem Tapetenfabrikanten Krüger (Kfipniekerstrasse), in der Nacht vom Sonntag zum Montag auf dem an der Wetzlarer Bahn ge­legenen Revier Michendorf bei Potsdam geschossen. Das erlegte Exemplar ist ein männlicher Damhirsch von einer so ausgesprochen weissen Färbung, wie sie unter den Hirscharten zu den grössten Seltenheiten gehören dürfte.

(B. T.-Bl. 23. 12. 1885.)

10. Hirschjagd. So selten es wohl Vorkommen mag, dass ein Jäger drei Bären erlegte, wie es Signor Giuseppe Albasini vollbracht hat*), so ver­einzelt wird es auch wohl Vorkommen, dass ein Jäger im Zeitraum von zwei Minuten drei geweihte Hirsche erlegt, wie dies thatsächlich meinem Schwager B. S. aus Berlin auf unserer gemeinschaftlichen Jagd in Freudenberg bei Bernau am 1. Juli, 3 Uhr Morgens, geglückt ist. Wie sich der Fall zuge- tragen, will ich hier genau wiedergeben:

Nachdem mein Schwager sich einem Schlag Erbsen, welcher unmittelbar au den Wald des Reviers grenzt, genähert hatte, sah er auf demselben vier geweihte Hirsche äsen. Er sprach dieselben als Zwölfender, Zehnender, Achtender und einen geringeren Hirsch an. Trotzdem der Zwölfender als stärkster ihm am weitesten auf 160 Schritt stand, setzte er ihm doch die Kugel regelrecht aufs Blatt, worauf der Hirsch eine mächtige Flucht machte und auf 70 Schritte im Holz verendete. Die übrigen drei Hirsche blieben, anstatt abzuspringen, seltsamer Weise ruhig stehen, so dass mein Schwager Zeit hatte, eine zweite Kugelpatrone in seine Büchstlinte zu laden und sodann auch den Zehnender unter dem Feuer zu erlegen. Nunmehr wurden die beiden noch lebenden Hirsche nach der Ecke zu, in welcher der Zwölfender

*) Anm. Albasini bat im Juli 1891 bei Trient hintereinander eine Bärin, dann deren 2 Junge, welche die Mutter nicht verlassen wollten, mit Büchsenschüssen erlegt.