120
Wanderfahrt nach Fürstenwalde an der Spree.
Durch wiederholte Brände wurde die Kirche so zerstört, dass mau hei der Renovierung im Jahre 1771 die hohen Kreuzgewölbe gänzlich abbrechen musste und den Bau durch eineinfache Stuckdecke entstellte. Die in der Kirche befindlichen Grabplatten der llischöfe wurden genauer besichtigt. Unter diesen besitzt die Rronzeplatte des soeben genannten Bischofs Johann bedeutenden Kunstwert. Von reichen gotischen Ornamenten eingerahmt, zeigt sie das Bildnis des Bischofs und ringsum kleinere Figuren, welche die trauernden Hinterbliebenen des Verstorbenen darzustellen scheinen. Der Verfertiger dieses aus zwölf kleineren Blatten kunstvoll zusammengefügten Werkes ist vermutlich der ältere Hermann Vischer, Vaters des berühmten Beter Vischer. Ferner erregte das schöne Epitaph des Bischofs Dietrich von Bülow (+ 1523) die Aufmerksamkeit der Beschauer. Diesem Bischof verdankt die Kirche ein schönes Kleinod, das Sakramentshäuschen. Obwohl der reiche Figurenschmuck der schlank aufstrebenden gotischen Byramide sehr beschädigt ist, so erregt das Bauwerk doch noch Bewunderung sowohl durch seinen harmonischen Aufbau als auch durch die Feinheit der daran sichtbaren Detail-Arbeit. Von anderen Sehenswürdigkeiten sind vor allem zu nennen der sieben- armige Leuchter und das Taufbecken, beide sind Bronzearbeiten von imponierenden Verhältnissen, der erste re ist ein Oeschenk des Bischofs (leorg vor Blumenthal, des eifrigen Oegners der Reformation, das letztere hat der in der Geschichte der Mark ebenfalls viel erwähnte Bischof Friede. Wesselmann (f 1483) gespendet, ln dem Rathaus wurden ausser anderen historischen Merkwürdigkeiten die ältesten Urkunden des Stadtarchivs gezeigt, deren Bedeutung vorher im Vortrage erklärt worden war. Das grösste Interesse erregte die Urkunde der askunischen Markgrafen Otto V. und Otto VI. aus dem Jahre 1285, in denen den Bürgern Fürstenwaldes ihr Stadtgebiet unter genauer Angabe der Grenzen bestätigt wird, die älteste Urkunde, welche die Existenz der Stadt bezeugt. Darauf nahm die Gesellschaft ihren Weg durch Stimmings Restaurant, um die Überbleibsel der mittelalterlichen Stadtbefestigung zu besichtigen. Ausser geringen Resten der Stadtmauer ist nur noch ein stattlicher Turm übrig.
Hiermit war die erste Hälfte des Brogramms erledigt und es wurde zur Tafel geschritten, die im Restaurant Wilhelms Höhe für uns errichtet war. Unterwegs konnten wir die nun enthüllten Denkmäler in Augenschein nehmen. Während des Essens brachte zuerst der II. Vorsitzende, Stadtrat Friedel, den Kaisertoast aus, danach Hess Herr Oberlehrer Dr. Breitenbach die „ Brandenburgia “ leben und der I. Beisitzer, Dr. Carl Bolle, feierte die Stadt Fürstenwalde und besonders zwei ihrer Bürger, Herrn Dr. Breitenbach und Herrn Kustos Buchholz, indem er zugleich diesen Herren für ihre Bemühungen den Dank der Gesellschaft aussprach. Gegen den Schluss der Tafel toastete Geheimer Rat Professor Liebenow in poetischer Sprache auf die Damen.