Wanderfahrt nach Fürstenwalde an der Spree.
Bericht über die 6. (4. ausserordentliche) Sitzung des II. Vereinsjahres
Sonntag, den 3. September 1893.
Auf dem Bahnhöfe Friedrichstrasse hatten sich zur festgesetzten Zeit etwa 50 Teilnehmer, Mitglieder und Gäste, eingefunden. Bei der Ankunft in Fürstenwnlde empfing Herr Oberlehrer Dr. Breitenbach die Gesellschaft auf dem Bahnhofe und führte sie über die Schienen weg nach dem Grundstück des Herrn Fabrikbesitzers Julius Pintsch zu einem Bundgangc durch den Park, ln dem vorderen Teile besteht derselbe* aus sorgsam gepflegten Rasenbeeten, die mit einer Anzahl ausgewählter Zierpflanzen und Sträucher geschmückt sind. In der Tiefe erreicht dieser Teil einen Abschluss durch einen hochgelegenen Pavillon in Form eines griechischen Tempels, zu dem breite Treppen von vorn und hinten hinaufführen, während unter ihm eine Grotte aus verschiedenen Gesfeinsarten errichtet ist, die in ihrer'Anordnung die natürliche Page im Krdinncru nachahmen. Hinter dieser Grotte geht die Parkanlage allmählich in den ursprünglichen Kiefernwald über, und den Abschluss bildet ein ausgedehnter Gemüsegarten mit einigen Warmhäusern. ln einem derselben wurden Weinreben gezogen, die voller prächtiger Trauben hingen, welche Beeren von so besonderer Grösse hatten, dass sie nur unter diesen künstlichen Bedingungen ausreifen können. Interessant ist es, zu erfahren, wie in dem Warmhause die Bestäubung vor sich geht; da in dem abgeschlossenen Raum weder der Wind noch die Insekten Zutritt haben, so wird zur Zeit der Blüte durch Fächeln mit Flederwischen die Übertragung des Blütenstaubes auf die Narbe hervorgerufen, die Folge ist daher, dass die Trauben so ausserordentlich gut angesetzt haben. Hierauf ging es denselben Weg zurück durch die Anlagen der Stadt und vorüber an den Hüllen der Denkmäler für die beiden ersten Kaiser nach der Schultheiss-Brauerei. Hier er- öffnete nach einer kurzen Erholungspause der II. Vorsitzende, Stadtrat Friedel, die Sitzung und erteilte Herrn Oberlehrer Dr. Breitenbach das Wort zu dem Vortrage über die Geschichte der Stadt Fürstenwalde. Per anregende Vortrag wurde mit ungeteilter Aufmerksamkeit von den Zuhörern begleitet und durch lebhaften Beifall belohnt. — Der Vortrag wird unten abgedruckt werden. Nach dem Vorträge begab sich die Gesellschaft, zuerst in die Domkirche und dann in das Rathaus. Der Dom ist im Jahre 1446 von Bischof Johann von Delir neu erbaut, Hieran erinnert noch ein Denkstein mit dem Bildnis des Gründers.
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