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126 Geschichte des Landes und Bistums Lebus, sowie der Stadt Fürstenwalde.
Freilich erschwert der Mangel an Übersichtlichkeit die Lektüre allzusehr, und für die ältere Zeit bedeutet sein Buch geradezu einen Rückschritt hinter das ausgezeichnete Werk des Kriegsrats Wohlbrück über die Geschichte des Landes und Bistums Lelms, welches in den daliren 1829—32 erschienen ist. Überall da, wo der kritiklose Goltz von dein scharfsinnigen Wohlbrück abgewichen ist, verliert er sich in haltlose Faseleien, und leider sind gerade diese historisch unbegründeten Behauptungen, Fürstenwalde sei das ompincv des l’toleinäus, die Franken hätten hier ein Schloss angelegt, Miecislaus I. hätte zu Ottos 1. Zeiten unseren Ort zu einer Stadt erhoben, diese sei 1055 mit hohen Mauren und Thoren umgeben und habe früher Herzogswalde, dann Bischofswalde geheissen und was dergleichen mehr ist, in die landläutigeii Geschichtsbücher übergegangen; so linden sie sich zum Teil in Borguus im .Jahre 1885 erschienenen Invontarium der Bau- und Kunstdenkmäler der Mark. Doch ich kehre zu unserem Stoff zurück. Das Land Lebus, in dem Fürstenwahle liegt, erscheint schon zur Zeit der sächsischen Kaiser im 10. Jahrhundert als ein Teil des Polenreiches. Lebus oder Lubus, wie die ältere Namensform lautet, ist ein Städtchen unterhalb Frankfurt am linken Ufer der Oder, wird zum ersten Mal und zwar als ein magnum castrum, ein bedeutendes Schloss, im Jahre 1109 erwähnt; es ist zu dieser Zeit der Sitz eines Kastellans, war also der Verwaltungsmittelpunkt einer terra oder eines territorium des Polenreiches, und es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, dass das Land Lebus, welches damals zu beiden Seiten der Oder lag, also nicht blos den Lebuser Kreis, sondern auch das Land Sternberg und die Umgegend von Züllichau umfasste, seinen Namen von der Hauptstadt des Bezirks hatte. Die Behauptung, dass es nach dem nur einmal erwähnten Stamme der Liubuzzi geheissen habe, steht auf sehr schwachen Füssen, obgleich man sie in jedem Geschichtsbuch lesen kann. Wir wissen durchaus nicht genau, wo dieser Liutizzenstamm gewohnt hat. Man kann mit Bestimmtheit behaupten, dass die slavisehe Bevölkerung hiesiger Gegend besonders auf dem Lebuser Plateau nur sehr dünn war, vielleicht weil diese Grenzgegend durch die ewigen Feindseligkeiten der Polen und Liutizen verödete. Lebus war im Anfang wohl der einzige wichtigere Ort unserer Landschaft. Die Feste war von den Polen gewiss zur Beherrschung des Oderlaufes und Oderhandels erbaut und erblühte zu einer nicht unbedeutenden Handelsstadt. Die Stadt spielte in der Zeit der polnischen Herrschaft sicher die Rolle, die später zur Zeit des deutschen Regiments Frankfurt zufiel. Das Bistum Leims, dessen Sitz später in Fürstenwalde war, erscheint zum ersten Mal i. J. 1133- Es ist wahrscheinlich von dem Polenherzog Boleslav III. (1102 — 38) gegründet. Der Sprengel des Bistums deckte sich fast genau mit den Grenzen des Territoriums Lebus; er wurde vom Bistum Posen abgezweigt, wohl weil dieser zu gross erschien. Die freilich schon ziemlich