Heft 
(1893) 2
Seite
127
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Geschichte des Landes und Bistunis Lebus, sowie der Stadt Fürstenwalde. 127

ulte Behauptung, dass das Bistum ursprünglich in Ostgalizien gegründet und von dort nach Lebus verpflanzt sei, halte ich für einen Irrtum, dessen Entstehung man sehr wohl erklären kann, .lene Annahme hat dann gar unseren (ioltz zu der gänzlich irrigen Behauptung verleitet, das Bistum habe überhaupt nie seinen Sitz in Lebus gehabt. Das Piastenroich zerfiel seit dem Tode des vorhin genannten Boleslav III. in verschiedene Teilreiche, und es war eine glückliche Fügung des Schick­sals, dass das Land Lebus nach mehrfachen Wechselfälleu dauernd unter die Herrschaft derjenigen Piastenfürsten kam, die das Teilreich Schlesien beherrschten. Diese schlesischen Piasten begünstigten nämlich in ihren Ländern das Deutschtum; und dies kam auch unserem Ländchen zu gute. Heinrich I. und sein Sohn Heinrich II., der Fromme, riefen zahl­reiche deutsche Bauern und Bürger in ihr Herzogtum, die dem ziemlich verwahrlosten Lande eine höhere Kultur brachten. So entstanden schon unter schlesischer Herrschaft besonders hier im Kreis Lebus seit dem Jahre 1225 (die Urkunden sind uns erhalten) zahlreiche deutsche Dörfer) und in den nächstfolgenden Jahren etwa bis 1233 die erste nachweisbar? deutsche Stadt, Müncheberg, deren Name ja an die Cisterciensermönche( die Gründer derselben, erinnert. Die Ansetzung der Kolonieen besorgte nämlich der Landesherr nicht selbst, sondern er iiberliess diese Arbeit entweder weltlichen Grossen oder viel häufiger den Mönchs- und Ritter­orden der Cistercienser, Augustiner, Templer, Johanniter, denen er zu diesem Belmfe. grössere Länderstrecken überwies. Das Land Lebus war bis zu jener Zeit von der Elbgegend und seinem Kulturzentrum Magde­burg getrennt durch die wilden, christenfeindlichen Slavenstämme der Liutizen, welche die Mittelmark bewohnten. Diese Slaven wurden nun aber allmählich durch das Schwert der askanischen Markgrafen und der Erzbischöfe von Magdeburg überwunden und zum grössten feil ausgerottet, und es ergoss sich nun auch in die Mittelmark der Strom der deutschen Einwanderer, die sich also von Westen her dem Lande Lohns näherten. Früher als die Markgrafen hatten die Erz­bischöfe von Magdeburg ihr Auge auf unser Land Lebus geworfen. Die Erzbischöfe hatten nämlich noch nicht vergessen, dass sie einst zur Zeit der Ottonen die geistliche Oberhoheit über das Bistum Posen, also auch über Lelms, gehabt hatten. Wahrscheinlich auf Grund dieser alten An­sprüche hatten sie sich 1100 von Heinrich V. bei Gelegenheit eines Eeldzuges gegen Polen die Stadt Lebus vom Kaiser schenken lassen, ohne den Ort behaupten zu können. Jetzt erneuerten sie ihre Angriffe au f das Land zum Arger der Askanier, die sich die wichtige Oderland- s cha ft auch nicht entgehen lassen wollten. Die Streitigkeiten in der Familie der Piasten erleichterten den deutschen Fürsten die Durch­führung ihrer Pläne. Herzog Boleslav der Kahle von Niederschlesien suchte einen Bundesgenossen gegen seinen Bruder Heinrich IIT. von