Heft 
(1893) 2
Seite
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128 Geschichte des Landes und Bistums Lebus, sowie der Stadt Fürstenwalde.

Breslau. Hierzu hot sich ihm der Erzbischof Wiibrand von Magdeburg an. Als Preis für seine Hilfe überliess ihm Boleslav die Hälfte des Bandes und der Stadt Hehns und nahm die andere Hälfte von ihm zu Hellen. Eine höchst interessante Urkunde vom Jahre 1249, in der auch die Grenzen des Bandes genau beschrieben werden, gieht uns genaue Kunde von diesem Vertrag. Zu unserem Erstaunen erscheinen nun aber in einer Urkunde des Jahres 1252 statt des Boleslav die askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. als die Mitbesitzer des Bandes, welches dann im Jahre 1253 zwischen Magdeburg und Brandenburg geteilt wurde. Wie dieser Scenenweehsel vor sich gegangen sein mochte, habe ich in meinem BucheDas Band Belms unter den Piasten genauer ausgeführt. Von Boleslav ist in der Folgezeit gar nicht mehr die Bede. Es beginnen nun aber allerhand Reibereien zwischen den beiden deutschen Rivalen, die das Band in Beschlag genommen hatten. Es dürfte den verehrten Anwesenden bekannt sein, dass zwischen den bran- denburgischen Askanicrn und den Erzbischöfen von Magdeburg so mancher harte Strauss ausgefochten worden ist und dieser Gegensatz erreichte ja gerade in den nächsten Hecennien seinen Höhepunkt, als bei Frose 1278 eine Schlacht geschlagen wurde,so hart, dat dachte noch seggen hadde gehört van so hardein stride. Man kann sich denken, was sich in solcher Zeit für Zustände entwickelten in dem Bande Hohns, welches nicht etwa in der Weise geteilt war, dass die beiden Mächte je einen zusammenhängenden Bänderanteil hatten. Die Teile der magdeburgischen und brandenbiirgischen Hälfte lagen vielmehr bunt dnrcheinandergewürfelt im ganzen Bande zerstreut, und die Belms besessen sie gar gemeinschaftlich. Dennoch wurde in den Friedensjahren von beiden Besitzern die Kulturarbeit kräftig gefördert. Immer dichter wurde das Band mit deutschen Kolonisten besiedelt. Im Jahre 1253 gründeten die beiden Markgrafen an einer Stelle, die für den Handelsverkehr überaus günstig lag, die künftige Hauptstadt des Bandes Belms, Frankfurt. Ich glaube in der erwähnten Schrift erwiesen zu haben, dass vor diesem Jahre 1253 eine grössere deutsche Ansiedelung an jener Stelle nicht vorhanden gewesen ist.

In diese erste Zeit der deutschen Herrschaft fallt auch jedenfalls die Gründung der Stadt Fürstenwalde. Denn die älteste diese Stadt be­treffende Urkunde, die Ihnen nachher vorgelegt werden wird, aus dem Jahre 1285, nennt die Stadt als eine vor alter Zeit gegründete. Natür­lich könnte man die Gründung auch in die letzten Jahrzehnte der schle­sischen Herrschaft verlegen, aber keinesfalls vor 1225. Die regelmässige Anlage der Strassen, das Fehlen eines Kietzes, in den sonst bei alt- slavischen Orten die slavische Bevölkerung verbannt zu werden pflegt, Her deutscheName deuten an, dass wir es hier mit einer deutschen Neugrün­dung zu thun haben. Hütten slavischer Fischer könnten vielleicht gelegen