152 Geschichte des Landes und Bistums Lebus, sowie der Stadt Filrstemvalde.
der Stadt, die hier in unserer Nachbarschaft liegt und die wir gleich besuchen werden, wurde zur Kathedralkirche erhoben. Sie wurde von Bischof Johann VII. v. Dehr im Jahre 1446 neu im gotischen Stil erbaut. Aber auch von diesem einst sehr stattlichen Bauwerk sind nur noch die Umfassungsmauern und die Pfeiler, die das Schilf tragen, erhalten. Die Renovierung des Jahres 1771 hat die Kirche sehr entstellt.
Die älteste Urkunde der Stadt Fürstenwalde — sie wird Ihnen nachher auf dem Kathause vorgelegt werden — stammt also, wie bemerkt, aus dem Jahre 1285. In derselben wird der Stadt von den askanischen Markgrafen der ottonisehen Linie, Otto V. und VI., ihr Stadtgebiet unter genauer Angabe der Grenzen bestätigt. Es sind genau dieselben Grenzen wie noch heutzutage. Sie umsehliessen bereits den kostbaren Besitz der Stadt, den ausserordentlich grossen Stadtforst; er beläuft sich auf 21 000 Morgen. Es ist merkwürdig, dass der grössere Teil dieses Forstes, die sogenannte grosse Heide, auf einem zur Zeit der Gründung fremden Staatsgebiet lag, denn sie befindet sicli jenseit der S|»ree, also damals auf lausitzisehem Boden. Die Spree bildete seit ältester Zeit die Grenze zwischen der Mark Brandenburg und der Mark Lausitz, zu der die Herrschaften Beeskow-Storkow gehörten, die später hier entstanden, Wäre nicht seit 1308 die Lausitz auf längere Zeit mit Brandenburg vereinigt geblieben, so würde man schwerlich diesen Schatz auf die Dauer behalten haben. Es ist nicht zufällig, dass die Stadt zurZeit der Unruhen nach dem Tode des grossen Waldemar in ihrem Besitz von den Beherrschern von Storkow, den Herren v. Strelen, beunruhigt wurde, wovon uns ein Verzicht dieser Herren aus dem Jahre 1328 Kunde giebt. Die Urkunde wird Ihnen nachher auf dem Kathause vorliegen. Man kann ohne Übertreibung behaupten, dass die Blüte von Handel und Gewerbe und der Wohlstand der Stadt, der trotz Brand, Kriegsnot, Pest und Überschwemmung bis an den Anfang dieses Jahrhunderts Bestand hatte, zum guten Teil auf den Besitz dieses grossen Wahles beruhte. Bis zum Jahre 1773 bezogen alle Bürger aus dem städtischen Forst nicht etwa Idoss freies Brennholz zum Heizen, sondern auch freies Bauholz zu allen Bauten und freies Brennmaterial zu allen bürgerlichen Hantierungen, so dass allein das freie Brennholz für die Bürgerschaft — es wurde natürlich auch noch Holz verkauft — in dem genannten Jahre 6400 Klafter betrug. Man kann sich denken, wie förderlich dies für die Brauer, Branntweinbrenner, Bäcker, Töpfer war. Dazu kam ein schon im 16. Jahrhundert erwähntes, sehr einträgliches Brauereiprivileg, wonach laut Edikt Friedrichs I. vom Jahre 1702 sämtliche Orte des Kreises Lebus ihr Bier und ihren Branntwein aus Fürsten wähle beziehen mussten; endlich war für den Gewerbebetrieb die billige Wasserkraft sehr vorteilhaft- Die Spree-Mühlen, die schon 1352 erwähnt werden, waren zwar liskalisch, aber ihre Benutzung stand den Bürgern gegen eine massige Abgabe