Bericht über die 7. (2. öffentl.) Sitzung des II. Vereinsjahres.
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5. Der 2. Vorsitzende legt ein bereits in der Presse vielbesprochenes seltenes und merkwürdiges Fundstück aus dem Spreebett vor und bemerkt dazu Folgendes.*) Gleichzeitig mit allerhand Gerätschaften wurde in diesem Frühjahr von der Köuigl. Ministerial-Baukommission als im Flussbett vorm Schloss gegenüber der Burgstrasse ausgebaggert „ein grosser unbekannter Gegenstand“ dem Märkischen Museum übergeben. Ich erkannte in demselben sofort eine ausgehöhlte halbe Meeroder See-Kokosnuss, auch Sechellen-Nuss oder Maledivische Nuss genannt. Die gewaltigen, mitunter einknolligen, meist aber zweiknollig aneinander gewachsenen Früchte rühren von der Palme Lodoicea Sechell arum her, die anscheinend nur auf zwei von den Sechellen- Inselu, Curieuse und Praslin, wild wächst. Lange vor der Entdeckung und Besiedelung der entlegenen Inselgruppe sind diese seltsamen grossen Früchte bekannt gewesen. Sie treiben vermöge der herrschenden Winde und Strömungen norduordöstl. auf das Ufer der einsamen Tschagos-Inseln und Diego Garzia sehr selten, dagegen am Strande der Malediven, die aus etwa fünfzelmtausend Korallen-Riifen bezw. Atolls bestehen und sich in nördlicher Richtung längs des 91. Meridians zwischen dem Äquator und 10“ n. Br. hinziehen, etwas häufiger an, mögen deshalb auch schon den antiken Taprobane-Fahrern bekannt gewesen sein. Jedenfalls galten sie im Mittelalter und bis ins vorige Jahrhundert als äusserst seltene und kostbare Stücke unbekannter Herkunft, welche für die sogen. Kunstkammern der Vornehmen und Fürsten sehr begehrt waren. Auf Ceylon und in Ostindien sollten sie gegen Schlangenbiss, selbst gegen den Giftzahn der Brillenschlange helfen, auch in Europa mass man ihnen allerhand abergläubische Beziehungen und Kräfte bei. Auf welche Weise gelangte die Sechellen-Nuss nun in das Spreebett vorm Königlichen Schloss?
Seit dem Grossen Kurfürsten befand sich hier nach der Stromseite zu die Kunstkammer, welche wirkliche Kunstsachen und künstliche Raritäten, aber auch Gerätschaften wilder und halbwilder Völker, sowie seltene oder abenteuerlich aussehende Naturerzeugnisse umfasste.
Fürstliche und andere angesehene Personen erwarben nicht bloss die Sechellennüsse gern, sondern Hessen sie aushöhlen und in Silbei fassen; das aus dergleichen „Bowlen“ genossene Getränk galt als besonders gesund. Auch meinte man, dass die Maldivennüsse von Pflanzen herrührten, welche auf dem Grund des Weltmeers wüchsen.
Auf diese beiden letztgedachten Beziehungen spielt Luis de Camoens (geb. 1524, f 1579) in der Lusiada, canto X v. 186 an:
*) Vergl. auch meine Mitteilung in der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift. Be din 1893. Seite 378. — Eingetragen ist die Maldivennuss im Märkischen Museum in Katalog A II Nr. 2252.
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