Heft 
(1893) 2
Seite
207
Einzelbild herunterladen

Die Hohenzollern in neuester Mythenbildung.

Darunter hat der Empfänger vermerkt:

,, Praes. den 22. Januar 1757.

207

Extr. des Extraktes der neuesten Weltbegebenheiten. Den 16. dieses( Januar) wurde auf Königl. Preussischen Befehl eine allhier( zu Dresden ) zum Vorschein gekommene gedruckte Schrift( folgt der Titel) durch Scharffrichters Hand verbrannt, weil S. M. deren Inhalt miss billigen, und solche von übelgesinnten Leuten zum Druck befördert worden." Ob die unzweifelhaft gegen den Wiener Hof gerichtete Schrift wirk­lich ohne Vorwissen des Königs erschienen war, möge hier unerörtert bleiben. Als Verfasser der übrigen politischen Schriften aber, die damals die Gerechtsame Friedrichs, gegenüber den verderblichen Absichten seiner Gegner wahrnahmen, galt der Legationsrat, spätere Minister v. Hertzberg.

f

e

e

S

Die Hohenzollern in neuester Mythenbildung.

Geehrte Anwesende! Das, was vielleicht die Meisten von Ihnen jetzt denken, trifft nicht zu. Sie erwarten einen belehrenden Vortrag; es wird sich aber nur um vereinzelte Mitteilungen handeln. Herr Stadt­rat Friedel hat Ihnen bereits angedeutet, wie es zugegangen ist, dass ich in aller Geschwindigkeit redefertig sein musste. Diese in Frage kommende Redefertigkeit ist jedoch keineswegs mein Verdienst, da ich nur einfach das wiedererzählen werde, was mir selber mitgeteilt worden ist.

Das Wort Die Hohenzollern in neuester Mythenbildung" hat für denjenigen, der z. B. die interessanten Aufzeichnungen des Herrn Direktor Schwartz kennt, nichts Überraschendes. Vor kurzem veröffent­lichte der genannte Forscher in der Zeitschrift des Vereins für Volks­kunde" eine längere Abhandlung über dieses Thema. Das, was dort von der Mark Brandenburg im besonderen und von Norddeutschland im allgemeinen gesagt wird, stimmt vortrefflich zu den Thatsachen, die ich in meinem kleinen Arbeitsgebiet, d. h. jenem Teile meiner ostpreussischen Heimat, welcher das Oberland genannt wird, nachweisen kann. Die Hohenzollern aber- wo immer auch von ihnen die Rede sein mag- und die Brandenburgia" gehören zusammen.

Der gebildete Städter hat meist keine Ahnung davon, zu welchen Ungeheuerlichkeiten sich geschichtliche Überlieferungen im Hirn des einfachen Landvolks auswachsen oder überhaupt verändern. In den Schulen wird wohl vaterländische Geschichte gelehrt und auch die Arbeiter