Heft 
(1893) 2
Seite
225
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Bericht über die 13.( 3. Arbeits-) Sitzung des II. Vereinsjahres.

225 Linien: ,, C. H. Richter 1684". Nach der gotischen Form der Falken­tasche und der Gürtelschliessen muss das Gefäss für eine Goldschmiede­arbeit des 15. Jahrhunderts gehalten werden und die ältere Jahreszahl bezeichnet deshalb auch gewiss das Jahr der Herstellung; insofern die beiden Initialien als ,, Rat( von) Cölln" zu deuten wären, würde daraus auch hervorgehen, dass das Gefäss vielleicht von diesem Rat dem zu Berlin gestiftet worden ist. Die jüngere Inschrift erklärt sich wohl so, dass der Bär, welcher bisher in ähnlicher Stellung eine Armbrust gehalten haben mochte, diese im Laufe zweier Jahrhunderte verloren hatte und dass sich dann 1684 ein Mitglied des Rats bewogen gefühlt hat, den Defekt durch eine zeitgemässere Waffe, das Radschlosspistol, zu verdecken, welche letztere Waffe damals allerdings schon veraltet und durch das Batterieschloss ersetzt war.

6. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts muss der Humor bei den Gelagen des Rats den höchsten Grad erreicht haben, denn zwei weitere Trinkgefässe zeugen davon:

AVAVARAR

Ein Vexierbecher, vergoldeter Blechpokal, dessen Fuss die Form eines Adlers und Bären hat, die sich in aufrechter Stellung innig umarmen und küssen( Symbol für die herzliche Gemeinschaft der Städte Berlin und Kölln einschliesslich Friedrichswerder). Auf den Köpfen beider Tiere ruht der trichterförmige Becher, dessen Rand aber so tief von durchbrochener Arbeit ist, dass man den Inhalt nicht unmittelbar aus dem Becher trinken kann. Vielmehr steht der etwas offene Boden mit einem durch die Wandung nach dem Rand geführten Rohr in Verbindung, an dessen Tülle man saugen muss, um den Wein zu trinken. Es sind aber noch 2 andere solche Tüllen am Rande, die durch geheime Röhren mit der Höhlung des Bären und des Adlers in Verbindung stehen, welche Höhlung durch eine Oeffnung im Boden mit Wasser gefüllt wird. Der folgende aufgeschriebene Spruch deutet an, worauf es beim Gebrauch des Pokals ankommt: Wen Adler und der Bär am Thomasfest sich letzen denkt mancher sich auch gern in höhern Stand zu setzen, doch wer die rechte Stell und Ort nicht finden kann, der trifft anstatt des Weins das reine Wasser an".( Am, Thomas­tage"( 21. Dezbr.) fand alljährlich der Wechsel der Ratsmitglieder statt). Unter dem Fuss des Pokals steht die Jahreszahl seiner Stiftung 1690" und die verschlungenen Buchstaben: R. V. B. C. F.( Räte von Berlin, Cölln, Friedrichswerder.

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7. Das dritte Trinkgefäss, ein Schellen- Weinglas scheint in der­selben Zeit, oder wenig später, dem Rat dediciert zu sein. Es ist ein, den jetzt gebräuchlichen Champagnergläsern ähnliches schlankes Glas,

das aber nach unten nicht in einen Fuss ausläuft, sondern in einen

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