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Der Spreetvald um! seine Bewohner.
oder Nyx. i)e.shaH» ist wold die Annahme gestattet, dass dieser See einer Gottheit geweiht war. Viele Sagen knüpfen sich an ihn. Unter anderen sollen Fuhrleute im See. versunken sein. Pferde oder Rinder mit Wagen mögen ehedem in morastigen Gegenden, ahgekonunen vom rechten Wege, thatsächlich öfter versunken sein. Doch kommt diese Sage unter bestimmteren Verhältnissen oft genug vor in Deutschland und gestattet vielleicht den Schluss, «lass hier vor Alters Opferwagon in den See versenkt worden, an festlichen 'lagen einer Gottheit zu Ehren, der der See geweiht, ln der Germania berichtet Tacitus aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, dass gewisse norddeutsche Volksstämme, die „Nerthus“, das heisst die Mutter Erde, verehrten, und ihr zu Ehren ein Opferwagen in einem See versenkt wurde. Wenn diese Sitte herrschte bei einem Volke, warum nicht auch bei anderen Stämmen in Norddeutschland, in Hinsicht auf die allgemeinere Verehrung der Mutter Erde und andere Dinge. Sind doch von den vier kleinen Bronce- opferwagen, Altsachen aus der heidnischen germanischen Zeit Deutschlands, zwei allein im Spreewahl, aufgefunden worden, der eine, wie ich feststellen konnte, im alten Spreebett, in «1er Gegend vom Schlossberg. Der andere, im Besitz des Herrn Geheimrat Virchnw, fand sich in dem durch seine Altertümer bedeutungsvollen Miersehen Acker, einer ehemaligen Erhebung, beim Dorfe Burg, an dem durch seine Überlieferungen ausgezeichneten Kreuzweg«« von Bing nach Müschen und Werben, wo ausdrücklich «1er Nachtfuhrmann (noeny forman) seinen Strich hatte. Ebenso, heisst es, fuhr vom Schlossberg auf leuchtendem feurigen Wagen eine Jungfrau nachts «buch die Luft davon in der Richtung, wo thatsächlich im Spreebett jener Wagen gelegen hat.
Merkwürflig ist der See ferner dadurch, dass alljährlich zu gewisser Zeit eine Insel darin erscheint. Ich selbst habe sie gesehen; sie ragte als schlammige Erhebung aus dem Wasser hervor. Grossen Ruf hatt«' das Gesundheitswasser (strowa woda), das man ehedem von ihm holte, vereinzelt wohl noch jetzt, für Schwerkranke. Dazu grub man in dem moorigen Gelände, das den See zum Teil uingiebt, ein Loch und fing das aufsteigende Wasser in Fläschchen oder Töpfchen auf. Dann Hess man vom Kranken etwas zurück, im Sinne unsrer Tage und der Neuzeit jedenfalls um die Krankheit zurückzulassen, im Sinne des Altertums aufgefasst, um dankbaren Herzens der Gottheit oder «len guten Geistern an «lieser Stätte ein Opfer zu bringen. Ob das Wasser thatsächlich Heilstoffe enthält, wirksam unter anderen Umständen, ist mir nicht bekannt gewonlen. Von anderen Gewässern, die Moorwasser aufnehmen, wird es gerühmt, so von der Amper bei Dachau in Oberbayern, 'hd" leicht erhebt sich einst am Koboldsee eine neuere Heilanstalt.
Westlich von Burg liegt das Dorf Leipe. Die Leiper haben den Burgern immer als eine sehr eigenartige, von ihnen verschiedene Be-