Heft 
(1893) 2
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Der Spreewald und seine Bewohner.

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Kirchdorf Burg, von mir angekauft und später dem Museum für Völker­kunde gegeben, sowie zwei silberne Schlussstücke von länglicher Blatt­form, sind mir damals sicher bekannt geworden. Auch Glasperlen von dem längst verschwundenen Bsemberg waren in meinem Besitz, sei es, dass sie durch den Handel aus fernen Ländern kamen, sei es, dass sie Heerleute, Krieger, heimbrachten als Andenken aus ihren Feldzügen. Auch das Gewerbe blühte" schon im Lande. Erzgiesser, Erzschmiede sind verbürgt, ähnlich unseren Schmieden auf den Dörfern und standen ver­mutlich in hohem Ansehen. Für den Oberspreewald liefert ein Zeugniss der grosse Broncefund bei Straupitz , von Herrn Direktor Weineck in Lübben der Wissenschaft erhalten. In einem grösseren Topf, vergraben im Sandboden hart am Sumpf, waren eine Unmenge beschädigter Bronce­sachen oder Bruchstücke von solchen hineingethan worden. Irgend ein unglückliches Schicksal hinderte vor 2000 Jahren den Besitzer oder seine Erben wieder an den geborgnen Schatz zu kommen, der Nach­welt zum wissenschaftlichen Nutzen, zum grossen Schaden aber jenem altdeutschen Händler oder Bronceschmied. Denn um diese Zeit, Jahr­hunderte vor Christus, und in den Jahrhunderten nach Christus be­wohnten Deutsche, Germanen, den Spreewald.

Altes Eisen ist wenig auf uns gekommen. So zu Burg in einem kleinen urnenartigen Gefäss vorslavischer Zeit ein Sporn mit Dorn, dessen Verbleib mir unbekannt ist, sowie mehrere eiserne Gewand­spangen mit anhaftender Bronce, die in meinen Besitz gekommen; die Fibeln in den Sand gebettet in den Bergen hinter dem Dorfe Burg. Eisen hält sich nicht im feuchten Sumpfboden, sondern löst sich leicht auf. Falsch wäre deshalb der Schluss, dass Eisen fehlte oder wenig vorkam, weil es sich selten findet. Auch wurde Eisen als wertlos von den Findern meist weggeworfen.

Viele Thongefässe aus alten deutschen Gräbern sind erhalten ge­blieben, fast ausschliesslich von den Bergen, wo man die irdischen Überreste der Toten beerdigte. Wenn nicht noch aus anderen Gründen, so doch weil im niedrigen Gelände das Wasser sie geschädigt hätte. Nun irren deren Seelen umher, denn man hat ihnen die Ruhe genommen, zu der sie gebettet wurden. Die Alten jener deutschen Vorzeit glaubten an die Unsterblichkeit der Seele und an ein Wiedersehen im besseren Jenseits. Aus jener heidnischen Zeit stammt noch bei uns Christen die Rede vom Jenseits, in das man über ein Wasser kam, denn nach christlicher Lehre findet die Vereinigung der Seeligen oben im Himmel, statt. Aus dem vaterländischen Heidentum, das so wesentlich die gött­liche Allmacht im Weben und Wirken der Natur verehrte, dessen Nornen das Schicksal der Menschen webten und spannen, stammt auch das Wort: ,, Sanft ruhe seine Asche" auf den Kreuzen unsrer Kirchhöfe: Es sei denn, man leite es her aus Anschauungen des griechisch- römischen

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