Heft 
(1893) 2
Seite
245
Einzelbild herunterladen

n

n

S

e

S

Der Spreewald und seine Bewohner,

245

benannt und Hochaltäre der Kirchen um den Stamm des Baumes errichtet worden, wie z. B. in der berühmten Walfahrtskirche bei Triberg im Schwarzwald , die ich selbst besucht habe. Das sind alles sichere Volks­urkunden. Eine Erinnerung an solchen Gottesdienst der Vorzeit bei ehr­würdigen Bäumen bildet auch der Lausitzer Bericht, dass die Hexen sich auf einem alten, einsam stehenden Birnbaum mit neun Ästen ver­sammelt und da ihren ,, Reichstag " abgehalten haben, nur dass man an heilige Bittgänge und geweihte Jungfrauen zu denken hat.

Bei allen deutschen Völkern wurde der Gott God oder Wode ( Wodan), wie unsere Landleute heute noch den Namen sagen, verehrt. Man darf deshalb annehmen, dass auch ihm, dem höchsten Gott, dem Herrn im hohen Himmelszelt¹), der von da gnädig niedersah auf seine Völker, der heilige Wald der Semnonen geweiht war.

Man hat diesen heiligen Hain der Schwaben an verschiedenen Stätten gesucht, und auch im Spreewald. Herr Dr. Behla in Luckau hat wohl zuerst ausführlich in einem öffentlichen Vortrage auf einem der anthropologischen Kongresse in Deutschland diese seine Meinung mit aller Entschiedenheit verfochten. Und in der That, wie irgendwo anders, so ist man berechtigt, mit gutem Grund, ihn im Spreewald zu

suchen.

Namen aus dieser altdeutschen Vorzeit, soweit bis jetzt bekannt geworden, in sagenhaften Überlieferungen sind uns nicht überkommen, wie wir das gerade unter den Wenden in der preussischen Oberlausitz noch finden, ebenso wie in Böhmen , wo das Andenken an Theodorich den Grossen, König der Ostgoten, im Namen Dyter Bernhardt und ähnlichen Formen2) als Namen für den Nachtjäger oder wilden Jäger sich erhalten hat, also eine Überlieferung aus den Zeiten der Völker­wanderung.

Es kommt dann die Zeit der slavischen Herrschaft in Norddeutsch­land. Dieser angehörige Kulturzeugnisse, vorgeschichtliche Funde, sind weniger reichlich vorhanden als aus der altdeutschen; sei es dass man die Gräber nicht so wie früher mit Beigaben ausstattete, sei es, dass sie eher der Auflösung oder Vernichtung anheimfielen. Die Über­reste bestehen aus Thongefässen, Scherben, Beinwerkzeugen, Eisensachen, Silber und verkohltem Getreide wie Feldfrüchten. Alles in Allem geben sie nur ein Bild von sehr einfachen Lebenszuständen. Ferner sind aus dieser slavischen Zeit eine Anzahl Burgwälle).

Die Slaven müssen von Osten und Südosten in Norddeutschland

¹) Paul Warnefried , de gestis Langobardorum. I, 8.

2) Grimm. Mythologie. 1876. II. 781 Grohmann, Sagen aus Böhmen , Prag . 1863. 75. Haupt, Sagenbuch der Lausitz . I. 121. 123.

*) Söhnel, die Rundwälle der Niederlausitz , 1886. Behla, die vorgeschichtlichen Rundwälle im östlichen Deutschland . 1888.