Heft 
(1893) 2
Seite
249
Einzelbild herunterladen

it

Is

S,

er

en

er

n,

0

n

n

S

n

d

h

T

1

e

Der Spreewald und seine Bewohner.

249

eine slavische, dem Tschechischen, Polnischen, Serbischen u. a. verwandt. Sie zerfällt in zwei Mundarten, nämlich in die nieder- und oberwendische, oder zutreffender in die nieder- und oberserbische. In der Lausitz pflegte man bisher etwas schwerfällig zu sagen: niederlausitzisch- serbische und oberlausitzisch- serbische Sprache. Ausser diesen zwei Mundarten giebt es noch einige Zwischenmundarten, so die in der Gegend von Muskau und von Hoyerswerda . Die Niederlausitzer Serben werden, wie ich wenigstens vereinzelt gehört habe, von denen in der Oberlausitz auch Gronjacken( Gronjaki) genannt, weil sie das Zeitwort groniś, sagen, ge­brauchen. Von den Niederwenden die Oberlausitzer hajaki, Haiacken, weil sie das Wörtchen haj, ja statt des niederserbischen jo gebrauchen; die Grenzbewohner in der preusisschen Oberlausitz , dem Anschein nach auch volkstümlich, Praiacken, Prajaki, weil sie das Zeitwort prajić reden, gebrauchen. Das Niederwendische ist eine anmutige Sprache, von vieler Natürlichkeit, da sie immer nur von Landleuten gepflegt wurde, nicht angekränkelt von des Gedankens Blässe, ähnlich wie unser Plattdeutsch im Gegensatz zu der durch Gelehrte und Beamte früherer Zeit zeitweise stark verknöcherten hochdeutschen Schriftsprache. Dem deutschen Ohr klingt das Niederwendische sehr viel gefälliger als das härtere Oberserbisch, das im Königreich Sachsen und in der preussischen Oberlausitz gesprochen wird. Die lausitz- serbische Sprache hat noch die Zweiheit( den Dualis in der Deklination und Konjugation). Man kann also im Dunkel sehr wohl hören, ohne jemand zu sehen, ob zwei Menschen mit einander sprechen, oder mehrere. Dann hat sie noch zwei besondere Fälle( Casus in der Deklination), nämlich den Sociativus und den Lokativus. Bekannt ist die alte Stammverwandtschaft zwischen den germanischen und slavischen Sprachen, und demgemäss auch zwischen dem Wendischen und Deutschen . Selbst dem Laien springt sie noch heute in die Augen. So heisst mloko die Milch. Bilden wir durch Umstellung, die so häufig ist, wie deutsch z. B. in Born und Bronn, aus mloko molko und setzen an Stelle von o die deutsche Endung en, so erhalten wir Molken, und ähnlich Milch'. Woko, hoko, oko heisst plattdeutsch Oge, hochdeutsch Auge,( lateinisch oculus). Wasser heisst woda ( davon das russische wudki), niederdeutsch wăta u. d. m.

Gross war immer die Zahl der Volkslieder, die lebendig geblieben sind im Volke, und meist in den Spinnstuben gesungen wurden, doch auch sonstwie, z. B. von den Wieterinnen im Spreewald, wenn sie in langen Reihen über die Felder rutschen. Diese Volkslieder sind entweder reinslavische, oder aber auch deutsche, die ins Wendische übergegangen oder auch solche, die jedenfalls von irgend einem alten geistigen Aus­

vorzeitlich erst aus dem Germanischen ins Slavische übergegangen, 1) Nach der Annahme von Germanisten wäre allerdings altslovenisch, mlčko"