Heft 
(1893) 2
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Der Spreewald und seine Bewohner.

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dann absichtlich dem entgegengearbeitet. Auch Hexenmeister", also Zauberer, gab es noch vor einigen Jahrzehnten im Spreewald. Ich selbst habe in freundschaftlichem Verkehr mit mehreren dieser denkwürdigen Leute gestanden. Es waren ganz gemütliche alte Leute, allerdings auch mit grimmigen Mienen, ohne jede Ahnung von ihrem unfreiwilligen Beruf, alle dem Branntwein mehr oder weniger zugeneigt. Einer hatte, beiläufig bemerkt, den urslavischen! Namen Franke und war seines Zeichens Weber. Es gab junge Mädchen, die nur unter strenger Beob­achtung. alter Vorschrift den Namen eines Hexenmeisters auszusprechen wagten, um ihn eben nicht unliebsam zu ,, zitiren", herbeizuziehen. Zur Vorschrift gehörte, dass man erst gehörig fluchte, dann den Wochentag und nun erst den Namen nannte. Zum Beispiel, ich wähle einen ganz beliebigen häufiger vorkommenden Namen; ,, Schockschwerelöth heute ist Mittwoch der alte Lapan ging zu Markt nach der Stadt und da sal ihm ein Büschel Kuhhaare aus der Tasche' raus". Ebenso kannte ich noch eine Anzahl Hexen( chodota). Sie waren bekannt oder vielmehr verrufen durch ihren Butterreichtum. Unterhaltende, freundliche, thätige, aufgeweckte Geschöpfe. Sie selbst wussten nichts von ihrem Hexentum, waren sich aber doch bewusst, wie erst recht die Hexenmeister, dass sie mehr ,, konnten" wie andere. Gott sei Dank! werden diese unschuldigen Wesen aber nicht mehr geschunden und lebendig verbrannt, wie in dem heillosen Wahnsinn des siebzehnten Jahrhunderts.

Allgemein üblich ist das Besprechen, und zahlreich sind die Sprüche. Doch habe ich keine gefunden, die auch im äusserlichen Wortlaut hohes Alter erkennen lassen. Immerhin dürfen wir annehmen, dass auch manche von ihnen der Weisheit der Chaldäer oder altegyptischen Priester entstammen werden. Viel achtet man auf Vorzeichen, wie das auch schon von den alten Wenden berichtet wird. Doch ist die Wahr­sagerei weniger im Schwange als in grossen Städten, z. B. in Berlin , wo nicht bloss ,, kleine Leute", sondern Frauen aus feinen und reichen Familien zu den Wahrsagerinnen gehen und sich etwas über die Zu­kunft verkünden lassen. Ja, man sagt, selbst Fürstinnen sollen solche

Frauen aufsuchen.

Also im Spreewald ist noch immer etwas Zauber aus alter Zeit ( prisca formido!), gleichwie er seinen Zauber ausübt auf alle seine Be­sucher. Sagt doch schon Samuel Grosser, Gymnasii Rector, in seinen Lausitzischen Merkwürdigkeiten vom Jahre 1714, einem hochverdienten Werke, vom alten Spreewald: ,, Doch ist zu beklagen, dass sich böse Leute offtmals unterstanden haben, die in diesem Spree - Walde befind­lichen Gaben der Natur zu allerhand zauberischen Unterfangen anzu­wenden, und dem sonst beruffenen Walde dadurch bey denen Aus­ländern einen bösen Namen zu machen."

Zauber in diesem Sinn hier ist Altertum, und Altertum ist Heidentum