Heft 
(1893) 2
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Die ältesten Spinn- und Webegeräte.

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heutigen Tag, insbesondere in den zur Niederlausitz gerechneten Teilen, siegreich und erfolgreich bewahrt hat. Möchten auch unserer engeren Heimat die soeben durch Vertrag neu erschlossenen Handelswege und Absatzgebiete bis in den fernen Osten unseres Erdteils hinein zum Segen und Vorteil gereichen.

Nach dem Schlusse der Sitzung fand ein geselliges Beisammen­bleiben im Ratskeller statt.

Die ältesten Spinn- und Webegeräte.

von Elisabeth Lemke

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Geehrte Anwesende! Anknüpfend an meine vorjährigen Mitteilungen über die ältesten Nähnadeln werde ich mir erlauben, Ihnen ein kleines Bild zu entwerfen, welches die ältesten Spinn- und Webegeräte insbesondere diejenigen der Mark Brandenburg- zum Gegenstande hat. Ich wies damals auf die so naheliegende Meinung hin, dass der Mensch als er überhaupt anfing, sich zu bekleiden,-zuerst in die( ihm von der Altmeisterin Natur ziemlich bequem vorbereitete) Haut eines er­schlagenen Tieres geschlüpft sein und sich mit einem Gerät begnügt haben mag, das zwar als der Vorläufer der Nähnadel angesehen werden muss, im Grunde aber durch jeden beliebigen spitzen Körper Dorn, Knochen, Stein u. s. w. vertreten sein konnte.

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Wenn es lange, lange Zeit hindurch genügt haben wird, Schnür­und Bindelöcher in dem anspruchslosen Gewande herzustellen, so änderte sich mit der heraufdämmernden Kultur unendlich Vieles auch auf dem hier in Rede stehenden Gebiete.

Spinnen und Weben gehören so sehr zusammen, dass es als geboten erscheint, Beides gemeinsam zu berücksichtigen. Beides aber verliert sich in einer uns unerreichbar bleibenden Ferne. Wir sind genötigt, einerseits die der Vorgeschichte angehörenden Funde auf ihre Zeitstellung hin zu prüfen, um die Entwickelung der Geräte kennen zu lernen, anderer­seits Vergleiche mit Thatsachen, welche die Gegenwart uns bietet, vorzu­nehmen. Das sind Aufgaben, welche ehrliche Arbeit verlangen. Handelt es sich doch um Urkunden unseres Kulturlebens!

Sehr treffend sagt Moriz Hörnes in seinen Grundlinien einer Syste­matik der prähistorischen Archäologie"*): Der prähistorische Mensch verstand die Kunst der Selbstdarstellung noch nicht. Er hat uns keine kanonischen Werke hinterlassen, die unser Urtheil stützen, aber auch

*) Zeitschrift für Ethnologie, 1893, S. 49.