Die ältesten Spinn und Webegeräte.
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ja, noch im 18. Jahrhundert wurde sie von kaukasischen Völkern als Durchgangszoll gefordert. Ganze Bauerndörfer im Herzen Russlands legten sich auf Leinwandwebereien; man wusste den Handtüchern und Laken denselben roten Rand zu geben, wie die Germanen des Tacitus ."
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Wirtel oder Spindelsteine wurden von jeher aus verschiedenem Material und in verschiedenen Formen hergestellt. Ich lasse hier einige Zeichnungen umhergehen, die Ihnen, geehrte Anwesende, dies veranschaulischen mögen.
Zum Wirtel gehört die Spindel oder Spille: ein mässig langes, an beiden Enden zugespitztes Stäbchen, auf welches der Wirtel gesteckt wird. Derjenige, der in Wirklichkeit niemals einen solchen sah, kann sich am ehesten denselben vorstellen, wenn er sich eine auf einen Stock gespiesste Kartoffel oder dergleichen denkt.
Ohne Nachweisung der Fundumstände dürfte es in manchen Fällen selbst grossen Forschern nicht möglich sein, die Herkunft eines Wirtels zu bestimmen. Den trojanischen ähnliche Thonwirtel finden sich auch in Brandenburg , Schwerin , Strelitz, Schweden und überhaupt vom Kaukasus und Ural bis zu den westlichen Grenzen Europa's , ebenso auch in der Umgegend von Bologna. *)
Neben eine so grosse Übereinstimmung tritt aber eine noch grössere Verschiedenheit. So wurden z. B. in der Byciskala- Höhle über 300 Stück Thonwirtel gefunden,„ von einer so überaus grossen Mannigfaltigkeit, dass kaum einige in Form und Verzierung mit einander übereinstimmen."**)
Wie aus den in den Zeichnungen hier vorgeführten Beispielen ersichtlich ist, liebte man überall vorzugsweise die abgeflachte Kugel- Form, sowie die Kegel- und Scheiben Form. Natürlich habe ich die Mark Brandenburg vornehmlich berücksichtigt.
Wer die ersten Besiedler der Mark waren, welchem Stamme sie angehörten und wann sie in diese Gegenden gelangten, lässt sich aus den nur sehr spärlich erhaltenen Resten nicht ermitteln. Die ältesten uns erhaltenen Denkmäler menschlichen Daseins und Schaffens sind eine Anzahl Knochen- und Steingeräte, einige wenige Thongefässe und einige Grabdenkmäler.***)
Ich weiss nicht, ob sich aus jener frühen Zeit Spinn- und Webegeräte in der Mark nachweisen liessen.
Voss und Stimming( a. a. O., S. 6) sagen:„ Im Allgemeinen können wir die Schlüsse ziehen, dass die ältesten Bewohner der Mark in materieller Beziehung einer gewissen Kultur nicht entbehrten. Ob sie Nomaden oder sesshaft waren, können wir nicht mit Bestimmtheit angeben,
*) C.-Bl. d. d. Ges, f. A., E. u. U., 1882, S 97. S. v. Torma.) **) C-- Bl. d. d. Ges. f. A., E. u. U., 1882, S. 54.( Wankel.)
***) A. Voss u. G. Stimming, Vorgeschichtliche Altertümer der Mark Branden
burg, S. 2.
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