Heft 
(1893) 2
Seite
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Die ältesten Spinn- und Webegeräte.

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mindestens ein Gegenstand, an welchem die zum Verarbeiten bestimmte Wolle oder der Flachs befestigt ist. Die Kunkel oder der Rocken kann von so leichtem Material hergestellt sein, dass die Spinnerin ihn ohne wesentliche Mühe bei sich trägt, wie M. Ohnefalsch- Richter schildert, z. B. von den Bäuerinnen in Pera.

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Aus dem leichten, beweglichen Rocken wird sich der Wocken­stock" d. h. ein feststehendes Gerät entwickelt haben; oder um­gekehrt: zuerst bedurfte man eine derartige Vorrichtung, wie es der Wockenstock" ist, bevor man sich mit dem leichten Rocken resp. der Kunkel begnügte. Darüber lässt sich eben streiten.

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Um die Vergangenheit zu begreifen, müssen wir uns wie vorhin gesagt in der Gegenwart umsehen. Dahin gehören die wertvollen Mitteilungen, welche Herr von Schulenburg Über das Spinnen in älterer Weise in der Lausitz " veröffentlicht hat. Er sagt): Früher wurde und zwar im Gebiete des Spreewaldes, z. B. zu Burg, noch bis in den Anfang dieses Jahrhunderts nicht auf dem jetzt üblichen Spinnrade, sondern auf der Spille( Spindel) gesponnen. Diese ältere Art zu spinnen, ist genau so, wie ich sie aus den Schilderungen alter Männer und Frauen aus Burg kannte, in der Muskauer Gegend, z. B. in Schleife, in Gebrauch; doch man spinnt in dieser Weise nicht mehr Garn zu Leinwand, sondern nur Zwirn zum Nähen. Man bediente sich dabei der Spille und der Kriebatsche. Letztere besteht aus zwei Hölzern, die rechtwinklig zusammengefügt sind: dem aufrechtstehenden Wockenstocke und einem schmalen Brettchen, in dessen einem( stärkeren) Ende der Wockenstock steht. Auf diesem Brettchen, welches auf dem Schemel oder der Bank liegt, sitzt man. In dem Wockenstock ist ein Loch für eine Strippe. Ist nämlich die Spille halb voll gesponnen, so wird der Wirtel abgemacht und an die Strippe gebunden, weil sonst die Spille zu schwer wäre. In dem Sitzbrettchen ist ebenfalls ein Loch; darin wird die Spille gesteckt, will man sie bei Seite haben oder sich ausruhen, damit das Garn nicht verknöte". Auf den Wockenstock( Unterwocken) wird der Oberwocken gesetzt, um welchen der Flachs als Wocken( Rocken) gelegt und durch ein Band zusammengehalten wird. Die Spille besteht aus einer hölzernen Spindel, auf deren stärkeres Ende der Wirtel( Wertel, Wörtel) aufgesteckt wird. Derselbe ist aus Thon( vom Töpfer) oder aus Holz( vom Drechsler) ge­fertigt; zur Not behilft man sich mit einer Kartoffel. Wird nun gesponnen, so zieht die Spinnerin mit der linken Hand den Faden aus dein Wocken, indem sie mit der rechten Hand schwebend die Spille hält. Hat die Spinnerin den Faden klafterweit gesponnen, so dreht( wirbelt) sie die Spille zwischen den flachen Händen. Die Spille wirbelt nun, sich drehend,

*) Verh. d. Berl. Ges. f. A., E. u. U., 1882, S. 35.