Heft 
(1893) 2
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Brummtopf und Schimmelreiter.

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Der Schimmelreiter, am Weihnachts- Heiligenabend sich zeigend, und ebenfalls von zwei Helfern begleitet, machte die gleiche Runde durchs Dorf. Er ersetzte offenbar den hierselbst nicht landesüblichen Rumknecht( Knecht Ruprecht). Seine Ausstattung bestand in Folgendem: Ganz in Weiss gehüllt, erschien er nur in Hemd und Unterhosen, Schuhe an den Füssen . Er be­wegte sich rittlings auf einem Sägebügel an dem vorn ein Stiefelknecht be­festigt war, mit einem weissen Strumpf darüber und an Letzterem ein rotes Bändchen. So war der Pferdekopf gar nicht übel dargestellt.

Zwei Bindfaden, von dem Bügel zu den Schultern des Reiters ver­laufend, gaben dem Apparat Festigkeit und Halt. Ein in der Mitte loch­förmig aufgetrenntes Laken stülpte sich dem Darstellenden über den Kopf, ihn von oben bis unten einhüllend; auch die Hände mussten unter der weissen Hülle verborgen sein. So ausstaffirt kam der Schimmelreiter hopsend angejuckelt und frug ob die Kinder artig wären und beten könnten.

Von seinen Begleitern trug einer einen grossen Beutel voller Nüsse und Pfefferkuchen, der andere dagegen eine Rute nebst einem Beutel voll Asche. Dergestalt waren Lohn wie Strafe in bester Form vorhanden.

Hatten nun die gewöhnlich etwas ängstlichen Kinder obiger Anforderung genügt, so bekamen sie was zu knabbern. Die übel Vorbereiteten aber wurden mit Asche eingerieben oder mit solcher dick bestäubt. Dabei sahen es die Bauern nicht ungern, wenn ihre Mägde bei dieser Gelegenheit etwas gestiept" d. h. mehr symbolisch als fühlbar mit der Birkenrute bedacht wurden.

Eine Spende an Schimmelreiter und Genossen in verschiedenen Ess­waren, meist Eiern und Würsten, bestehend, beschloss den feierlichen Akt.

Allgemeine grosse Fröhlichkeit ist bei solchem Zampern stets die Haupt­sache gewesen und die dabei kaum eingeforderten, vielmehr freiwillig dar­gereichten Gaben haben sicher auch niemanden gereut.

Ich wünsche mir Glück dazu, wenn auch nicht im Dorf, so doch in dessen Nähe, noch Augenzeuge dieser Vorgänge gewesen zu sein. Genauere Details darüber hat mir soeben der Verwalter auf Scharfenberg, mein lieber Hausgenosse Fritz Bergemann, ausführlich zum besten gegeben. Er weiss gut Bescheid damit, weil er in jungen Jahren mehr als einmal den Schimmel­reiter als handelnde Person gespielt, überhaupt den ganzen Rummel von Grund aus mitgemacht hat.

Obwohl zweifelsohne genannte Ceremonien, dem Ursprung nach, in graue Vorzeit zurückreichen mögen, enthalte ich mich doch, da ich geringen Ge­schmack am Grübeln ethnologischer Gelehrsamkeit finde, jedweder Betrachtung Wenn der Schimmelreiter wohl mit über ihren tieferen allegorischen Sinn Wahrscheinlichkeit auf Wodan hindeutet, mit dessen Pferd die heiligen Rosse Swantewits ja so grosse Übereinstimmung zeigen, so möchte ich mich dagegen umsoweniger an die Symbolisirung des Brummtopfs wagen. Ge­nügt es nicht, dass Lärm die Freude überall vermehrt? Anderen bleibt es überlassen, aus der Musik des pferdshaarbespannten Fässchens vielleicht das dumpfe Grollen von Thors fernher vernommenem Donner Mittwinter am allerseltensten vernehmbar herauszuhören.

allerdings im

Lust des Volks an unschuldiger Freude, Hang zum Mimen und das

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