Heft 
(1896) 5
Seite
24
Einzelbild herunterladen

24

17. (6. öffentl.) Versammlung des IV. Vereinsjahres

Apollo oder von der schlichten deutschen Eiche schneide. Es würde dies nach meiner Überzeugung eine zeitgemässe und für die Nachwelt höchst erspiessliche Wiederbelebung der guten sinnigen Stammbücher unserer Altvorderen sein.

Soweit sich erkennen liess, fanden diese Ausführungen und Er­schlage den ungeteilten Beifall der Versammlung; auch gelegentlich des Zusammenseins der Mitglieder nach der Sitzung im Ratskeller würfle, dem Vortragenden bezüglich seiner Gedanken über die Stammbücher, die Poesiealbums und die Photographiealbums von den verschiedensten Seiten, sowohl von Damen wie Herren beigepflichtet.

Gleichzeitig ergeht hiermit an die Freunde und Gönner der Branden- burgia die Aufforderung, auch ihrerseits gelegentlich interessante alte Stammbücher zur Vorlegung und Besprechung zu den Sitzungen mit­zubringen.

9. Mitglied Bildhauer Max Unger berichtet über die Herrschergalerie in der Siegesallee des Berliner Tiergarten, indem er die plastistischen Skizzen der ihm vom Kaiser zur Ausführung übertragenen 2. Nische und der darin aufzustellenden Figur Markgraf Ottos I. (Sohn Albrechts des Bären) nebst den seitlichen Hermenfi­guren des Hevellerfürsten Pribislaw und des Abtes Sibold von Lehnin vorzeigt, schriftlich wie folgt:

Am 27. Januar vorigen Jahres wurde die Stadt Berlin und die Künstlerschaft durch Ankündigung eines hochherzigen Geschenkes unseres allverehrten Kaisers überrascht. Es bestand in dem Plan, in der Sieges­allee eine Herrschergalerie zu errichten, in der nicht nur 32 Regenten unseres Vaterlandes, sondern auch zwei bedeutende Zeitgenossen eines Jeden Aufstellung finden sollten. Es heisst in dein Erlass wörtlich: Als Zeichen meiner Anerkennung für die Stadt und zur Erinnerung an die ruhmreiche Vergangenheit unseres Vaterlandes will ich einen bleibenden Ehrenschmuck für meine Haupt- und Residenzstadt Berlin stiften, welcher die Entwickelung der vaterländischen Geschichte von der Begründung der Mark Brandenburg bis zur Wiederaufrichtung fies Reiches darstellen soll. Mein Plan geht dahin, in der Siegesalle die Marmorstandbilder der Fürsten Brandenburgs und Preussens, beginnend mit dem Markgrafen Albreckt dem Bären und schliessend mit dem Kaiser und König Wilhelm I., und neben ihnen die Bildwerke jenes eines, für seine Zeit besonders charakteristischen Mannes, sei er Soldat, Staatsmann oder Bürger, in fortlaufender Reihe errichten zu lassen.

Die geschichtlichen Vorarbeiten dazu wurden von den Herren Be­amten des Archivs erledigt, die künstlerische Gesamtgestaltung von Herrn Professor Begas in Mitwirkung des Herrn Architekten Halmhuber geschaffen. Die Ausführung kann der bedeutenden Kosten wesen nicht