17. 16 . öffentl.) Versammlung des IV. Vereinsjahres.
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auf einmal, sondern nur allmählich geschehen. So wurde denn im Januar dieses Jahres mit der Herstellung mir der beiden ersten Nischen begonnen. Der Kaiser liess es sich nicht nehmen, bei seiner Lieblings- idee die beiden von ihm dazu bestimmten Künstler, Walter Schott und Max Unger persönlich mit dem Auftrag zu beehren, Albreeht den Bären und Otto I., dazu die Hermen je zweier Zeitgenossen in Marmor zu schaffen. Die Ausführung soll nach den neusten Befehlen in Carrara Marmor II. Klasse, sogen, Ravaggione erfolgen. Mit der Aufstellung wird an der westlichen Seite der Siegesallee bei der Siegessäule begonnen werden, sodass Kaiser Wilhelm I. dort gegenüber die Reihe be- schlie.sst. Die Nische, durch 3 Stufen über den Fusssteig erhoben, besteht aus einer halbrunden Marmorbank von ca. 7 m Halbkreisdurchmesser, hinten begrenzt von einer Taxushecke. Der Boden besteht aus schwarz-weissem Marmormosaik. An den beiden Enden des mittelsten Drittels der Bank erheben sich aus derselben die beiden Hermen, während vor der Nische ein verzierter Marmorsockel, 1,50 m hoch, die Statue des Herrschers trägt, in Höhe von 2,25 m. In vorliegendem Falle Markgraf Otto I. mit dem Abt Sibold von Lehnin, den die Wenden erschlugen und dem Wendenfürsten Pribislaw von Brandenburg, der die Schenkungsurkunde bezüglich Vererbung seiner Länder an Albreeht den Bären in der Hand trägt. Die genauen Grössenverhältnisse wird erst die Aufstellung einer Kulisse in Naturgrösse, die an Ort und Stelle in nächster Zeit geplant ist, ergeben. Vorliegende Gesamtskizze ist in 1e /1 0, di grössere in ca. 1/4 natürlicher Grösse dargestellt.
Bei den Geschichtsstudien boten der Vorstand des Märkischen Museums und des geheimen Staatsarchivs eine höchst liebenswürdige Unterstützung. An Portraits war so gut wie nichts vorhanden. Was das Geschichtliche betrifft, war Otto I. weniger ein kriegerischer Fürst (man weiss nur von einem Feldzuge gegen die Dänen), die Chronik nennt ihn aber den Begründer Brandenburgs als Hauptstadt des Reiches und zweier Klöster, darunter Lehnin. Für den Künstler liegt hier das Charakteristische. Man musste erkennen, dass der Fürst mehr einer feinen, geistigen, schwärmerischen Richtung zuneigte und soll er dies in seiner vornehmen, lässigen Ruhe zur Anschauung bringen. Die Hand fasst nicht das Schwert zum Kampf, sondern hängt leicht auf der Parierstange des langen Schwertes. Da er aber ein grosser Jäger gewesen zu sein scheint, so lag wieder keine Veranlassung vor, ihn nicht doch als eine kraftvolle Natur im Eisenhemd darzustellen, als Herrscher, der, wenn es not that, auch seinen Mann selbst stand. Die Jagdleidenschaft gab die Veranlassung zur Gründung des Klosters Lehnin, das er aus Dankbarkeit für Errettung vor dem wütenden Angriff eines grossen Elchhirsches gebaut haben soll. Diesen Kampf schildert ein Relief zur Rechten am Sockel, während links eine Ansicht des Klosters