Heft 
(1896) 5
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Kleine Mitteilungen.

Müggelsee. Die Schiffer kennen die Stellen ganz wohl und schleppen ge­legentlich einen Eichbaum zu Lande. Das Holz ist kohlschwarz, zerspringt an der Luft, wird aber, vorsichtig getrocknet, steinhart. In diesem Zustande wird es zu Vordersteven, Dollstöckern und ähnlichen Schiffsteilen wegen seiner Widerstandsfähigkeit gern verarbeitet. E. Fr.

II. Die Jazko-Linde im Grunewald, welche linker Hand nicht weit

abseits des Weges von den Gasthäusern Schildhorn nach der Halbinsel Schildhorn mit dem von Friedrich Wilhelm IV. errichteten, verstümmelten Jazko-Denkmal, auf einem Anberg steht, ist gegenwärtig nur noch ein ganz hohler, ausgebrannter Stumpf ohne Leben, so dass die Hoffnung, der Baum werde wieder ausschlagen, vergeblich ist. Den Namen Jazko-Linde hat er selbstredend nicht durch die Volksüberlieferung, sondern nur durch Bucli- weisheit, Zeitungsnotizen und Sänger- oder Turner- bezw. Touristen-Bo- geisterung erhalten. Der Jazko-Baum ist einer der wenigen sehr alten Linden­bäume im Grunewald und deshalb von jeher aufgefallen. Auch mag sich diese oder jene Sage an den Baum knüpfen. Wilhelm Sehwartz bezieht die wirkliche Volkssage, dass ein wendischer Kitter auf der Verfolgung über die Havel geschwommen und Christ geworden sei, überhaupt nicht auf den durch Münzen gesicherten Jacza de Copanik, sondern auf Pribislaw, den Gemahl der Petrussa und Adoptivvater Albrechts des Bären. E. Fr.

III. Die Rieseneiche des Grunewalds. Die stärkste und älteste Eiche

des Grunewalds, Kreis Teltow, steht nördlich vom Pech-See, westlich von dem gewundenen, von hier nach dem Toufelssoe führenden Wege. Bei der am 24. Juli 1892 von mir und den Mitgliedern derBrandenburgia Dr. Löwenheim, E. Schenk und H. Maurer mit einem Bindfaden etwa eine Spanne über der Erde ausgefiihrteu, auf den Meterstock übertragenen Messung ergab sich, dass der Baum achtzehn Meter Umfang hat. Dies Hisst auf ein Alter von 1000 Jahren ohne Bedenken schliessen, zumal wenn man den magern sandigen Kiefernboden, in dem der Nestor der Bäume von Berlins Umgegend wurzelt, in Betracht zieht. Der Baum erweist sich bei der nähern Be­trachtung als eine Art dendrologisches Wunder. Der eigentliche älteste Stamm ist nur mehr ein 1 bis 1/2 Meter hoher Maserklotz, der zum Teil, um den Ortsausdruck zu brauchen,foosch, zum Teil aber noch lebendig ist. Dieser Riesenbaum ist nach Norden zu einst vor Alter hohl geworden und abgebrochen; aus dem Innern heraus aber ist vor 100 oder 150 Jahren ein Trieb des alten Baumes aufgewachsen, der sich mit dem Stumpf dieses Invaliden durch Ueberwallung verbunden, also eineLebensgemeinschaft (Symbiose) mit ihm eingegangen ist. Dieser jüngere Trieb, eine ansehnliche Eiche von etwa 20 Meter Höhe bildend, ist leider weit eher morsch, mulmig und hohl geworden, als der Urstamm. Der Sturm der letzten Wochen hat etwa ein Dritteil dieses Baumes heruntergebroehen und das vermodernde' Innere blossgelegt. Auch in dieser ruinenhaften Gestalt ist der Baum noch eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges und wird der Königlichen Oberförsterei- Verwaltung behufs Schonung und Erhaltung, wie hiermit geschehen möge, bestens und wärmstens empfohlen. Ernst Friedel.

Für die Redaktion: Dr. Eduard Zache, Deinminerstrasse 64. Die Einsender haben den sachlichen Inhalt ihrer Mitteilungen zu vertreten.

Druck von P. Stankiewicz Ruchdruckerei, Berlin, Bemhurgerstrasse 14.