Heft 
(1896) 5
Seite
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Kleine Mitteilungen.

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Brandt, die durch den seelenvollen, mit stürmischem Beifall aufge­nommenen Vortrag ihrer Lieder so wesentlich zur Erhöhung- der Fest­stimmung beigetragen hatte.

Den Abschluss der gemeinschaftlichen Gesänge bildete ein vom Herrn Grubenbesitzer E. W. Körner gespendetes humorvolles Lied, nach dessen Beendigung Herr Techniker Pütz alsSchnellzeichner reichliche Anerkennung fand. Bei Unterhaltung und Tanz währte das Fest bis zur fünften Morgenstunde.

Kleine Mitteilungen.

Drei Nachrichten aus dem Grunewald.

I. Alter Windbruch. Wandert man längs der Seekette, welche sich durch den Grunewald bei Berlin vom Lietzensee bis zum Wannsee erstreckt und, unter Hinzurechnung der zu Fennen und Mooren einge- schrumpften früheren Wasserflächen dazwischen, beziehentlich nach Ab­rechnung der im Laufe der Jahrhunderte aufgewehten Dünenzüge, eine un­unterbrochene Wasserverbiudung zwischen der Spree hinter der Flora in Charlottenburg und dem Wannsee nördlich vom Nicolas-See gebildet hat, so gewahrt man sowohl im offenen Wasser, wie am Rande desselben, wie in den Torfstichen, Mooren u. s. w. ganze Reihen dahingestreckter Bäume, nicht gefällt, sondern, wie die oft noch vorhandenen Wurzeläste zeigen, umgesunken oder vom Winde gestürzt. Meist sind es Kiefern, darunter riesenhafte Exem­plare, viel seltener Eichen, diese vielleicht wegen ihrer grösseren Schwere, anscheinend gewöhnlich tiefer liegend. Bei der Wiederherstellung der kleinen Seeen, die einst Torffenn, Rundesfenn, Langes Fenn und Diebsloch hiessen, seit Gründung der Kolonie Hubertus-Grunewald in Wasserflächen verwandelt, die poetischen Namen Hubertussee, Herthasee, Königssee und Dianasee führen, hat man in den Jahren 188892 viele dieser versunkenen Stämme gefunden, eingeschlagen und so manche Klafter dieses, ungezählte Jahrhun­derte alten Kiefern-Holzes zum Teil in jenenHolzauktionen verkauft, die schnell eine komische Bedeutung erlangt und den Stoff zu dem vielgesungenen GassenhauerIm Grunewald ist Holzauktion! geliefert haben. Wenn der sehnlichste Wunsch des Märkischen Provinzial-Museums: eine methodische wissenschaftliche Untersuchung unserer brandenburgisehen Torfmoore, endlich in Angriff genommen wird, dann kommt hoffentlich auch die Zeit und Ge­legenheit für eine botanische, geologische und archäologische Würdigung dieser vor vielen Jahrhunderten versunkenen Waldbäume. Hinzufügen wollen wir, dass diese subfossilen Baumreste auch bei den vereinzelten Seeen des Grunewalds z. B. am Teufelssee und Pechsee Vorkommen. Auch in der Moeckernitz-Wiese der Jungfernhaide und am Langen Fenn nahe Plötzensee finden sich diese niedergestreckten Bäume. Am fliessenden Wasser z, B. an der Havel und Spree habe ich dergl. Beobachtungen nicht gemacht, wohl aber liegt ein förmlicher Wald von versunkenen Eichen, wie ich selbst gesehen, zwischen Rahnsdorf und dem Kleinen