Bericht über die 2. (1. Arbeite ) Sitzung des V. Vereinsjahres.
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heute ruft man den Gott Donnar an in Berlin und in der ganzen Mark Brandenburg, wenn eine Sache „schief geht“ und jemand „wettert“: „Donner und Dorja“. In einigen niederdeutschen Gegenden besteht oder bestand die Redensart: „De Hamer sla!“ und „Dat Die de Hamer“
(Grimm), d. h. dass Dich der Teufel hole. „Meister Kämmerlein“ heisst der Teufel (Simrock). Der Dichter Frauenlob, den Frauen, als er verstorben, in die Kirche sollen getragen haben, weil er so viel Gutes und Schönes von ihnen gesagt, hat die Äusserung: „der smit uz Oberlande warf sinen hamer in rmne schoz“ (Grimm). Es ist hier die Rede von Gottvater. Der Schmidt aus Oberland ist der himmlische Schmidt und der himmlische Schmidt ist der Gewitterschmidt, der die Blitze schmiedet in der feurigen Gewitteresse, und wo ein Volk einen Gewittergott hatte, da war er der himmlische Schmidt, bei uns der Gott Donnar. Frauenlob lebte im 18. Jahrhundert. Damals also waren solche Vorstellungen noch lebendig. Wir sehen: für bestimmte Teile Deutschlands steht urkundlich fest, dass der Gewittergott ebenfalls wie der ihm gleiche Thor, den Hammer hatte. Für grosse Teile Deutschlands ist nichts darüber bekannt, aber die Gründe liegen nahe.
Dagegen hiessen noch bis in unsre Zeit, namentlich in Ostdeutschland die vorgeschichtlichen Steinbeile, namentlich die durchbohrten, ähnlich wie gewisse Versteinerungen, im Volke „Gewittersteine“, weil man annahm, dass die Stein-„Keile“ mit dem Gewitter von oben auf die Erde nieder kommen und noch heute werden sie auf dem Dachboden aufbewahrt, damit sie das Haus vor Blitz und Gewitter schützen. Man flucht ja heute noch ebenso „Donnerkiel noch mal“ wie „Donnerwetter noch mal“ und Donnerkiel heisst eben Donnerkeil, in Hinsicht auf den vom Gewittergott geschleuderten Blitzkeil. Es sind vielfach Steinbeile in vorgeschichtlichen, heidnischen Gräbern gefunden worden, auch in Totenurnen, die zum Teil Zeiten angehören, wo man Waffen von Bronze und Eisen hatte. Manche waren völlig ungebraucht, so frisch und neu, als wären sie eben einer Werkstatt entnommen. Da wird es zweifelhaft, ob solche je benutzt wurden, und es ergiebt sich mehr die Annahme, dass sie nur aus Gründen des Glaubens den Toten mitgegeben wurden. Dann ist aber nicht ausgeschlossen, dass sie in Beziehung standen mit dem Hammer des Donnar, sei es nun, dass sie Beigaben waren aus allgemeineren Gründen, oder aber weil die Toten in den betreffenden Gräbern besondere Beziehungen hatten zum Gotte Donnar. Man darf da nicht Anstoss nehmen an den üblichen Ausdruck „Steinbeil“. Denn eine grosse Menge kurzer, stumpfer Steinbeile kaun man ebenso gut Hammer wie Beil nennen. Versehen wir solche mit kurzem Stiel, so gleichen sie ganz unsren Hämmern. In vielen Gegenden Deutschlands, ich habe sie bemerkt in Westfalen, Bayern und Nord- wie Südtirol, gebrauchen die Steinschläger auf den Landstrassen eiserne