60 Bericht über die 2. (1. Arbeite-) Sitzung des V. Vereinsjahres.
Hammer an langen wippenden Holzstielen, die in der Gestalt durchaus manchen der vorbeschriebenen Steinbeile gleichen. Ausserdem wechselt die Bedeutung von Beil. In Oberbaiern heisst Hacke auch, was wir Beil nennen, und Beil ist ein spitzes Werkzeug um Holz einzupacken. Wenn nun so allgemein im Volksglauben unsrer Zeit nocli die Steinbeile, und auch die hammerähnlichen, als Gewittersteine gelten, dürfte daraufhin allein die Annahme gestattet sein, dass auch in diesen Gebieten Deutschlands einst der Gewittergott einen Steinhammer oder Hammerstein hatte, eine Bezeichnung, die als Stamm sich erhalten hat. Ausserdem bedeutet nach Grimm hamar, das er mit dem slavischen kamen (-Stein) vergleicht, ursprünglich harter Stein.
Wenn aber auch dies Alles nicht zuträfe, so folgt doch aus den bestimmten, vorher envähnten, Zeugnissen, dass in Deutschland der Gewittergott ebenso wie Thor den Hammer hatte als Wahrzeichen, wenigstens in bestimmten Bezirken, und dass mit voller Wahrscheinlichkeit der eigentümliche Schulzenhammer als ein irdisches Abbild jenes himmlischen Machtzeichens zu betrachten ist, als Würdezeichen der Männer, die durch göttliche Bestimmung sich berufen glaubten als Obrigkeit die Ordnung hier unten zu wahren.
Man sollte deshalb überall da, wo der Schulzenhammer bestand, ihn amtlich wieder einführen als altes Wahrzeichen obrigkeitlicher Macht. In unsrer Zeit ist der Volksglauben beim Landvolke im Schwinden und mit ihm die dichterische Auffassung des Daseins und der Dinge. Eine öde geistige Nüchternheit ist überall in die jüngeren Kreise eingezogen. Da sollte man nicht das Wenige noch vergehen lassen, was als äusseres Merkmal erinnert an glaubensvolle Tage und an die bilderreiche Geisteswelt des Altertums.
26. Im Anschluss an den Vortrag des Herrn v. Schulenburg über die Schulzen-Hammer bemerkt Herr E. Friedel als Kuriosum, dass auch der „Schulze“ von Berlin d. h. der Oberbürgermeister in den Sitzungen des Magistrats gewissermassen als Amtszeichen, zum Ruhegebieten (was aber kaum nötig!) einen hölzernen Hammer führe. Der verstorbene Stadtrat Löwe habe zur Amtszeit des Oberbürgermeisters, spätem Finanzministers Arthur Hobrecht, einen mit Bären verzierten, zierlich aus Buchsbaum geschnitzten Amtshammer gestiftet. Nachdem derselbe auf unaufgeklärter Weise verschwunden (? gestohlen), sei er durch den einfacheren, den der Oberbürgermeister Zelle, unser Erster Vorsitzender, zur Zeit führe, ersetzt worden.
26. Herr Schulrat Professor Dr. Carl Euler hält zum Schluss einen Vortrag über Erinnerungen aus dem Hessischen Feldzug, und ein