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Bericht über die 2. (1. Arbeits-) Sitzung des V. Vereinsjahres.
Für fremdes Glück das eigne hinzugeben,
Erhebt als Christenpflicht zu wohlverdientem Ruhm;
Jedoch in wilder Doppelehe leben,
Gestattet nur das materielle Heidentum.
Es lässt sich die Sage nicht fassen noch glauben.
Wir lassen die Würde der Frau’n uns nicht rauben.
Die Hoffnung, dass der alte Herr uns einen Besuch in Ringleben abstatten werde, erfüllte sicli nicht. Übrigens starb er noch in demselben Winter, am 16. Januar 1851.
Am 15. Oktober wurde Königs Geburtstag gefeiert. In Ermangelung von Tänzerinnen mussten die Soldaten unter sich tanzen. Bald hörte das Schlaraffenleben auf. Am 21. Oktober wurde ausgerückt. Wir fuhren mit der Bahn nach Gerstungen, marschierten von da nach Vacha, und blieben hier bis zum 2. November. Da wurden wir früh um 2 Uhr alarmiert. Die Bayern und Österreicher sollten die hessische Grenze überschritten haben — wir also beeilten uns mm auch, nach Hessen zu kommen. Nach zweistündigem Marsch begrüssten wir mit gewaltigem Hurrah den hessischen Löwen. Über Hünfeld, wo wir nach langem Warten endlich Quartier erhielten, ging es in langer Kolonne nach Fulda. Einen prächtigen Anblick gewährte die türm reiche Stadt mit den sie umgebenden, von Klöstern und Kapellen gekrönten, Bergkuppen. Von jener Zeit ab hatte ich eine Vorliebe für Fulda und freute mich stets, wenn ich die Stadt sah.
Am kommandierenden General vorbei defilierend machten wir vor der Stadt Halt und konnten wieder erst nach langem Warten, an das wir allmählich gewöhnt wurden, einmarschieren. Die Bürgerschaft empfing uns als Freunde und Retter mit Wohlwollen, und die schönen aus allen Fenstern schauenden Fuldaerinnen nickten uns freundlich zu. Wie bezogen die Kaserne, die erst am Morgen von ihren Insassen verlassen worden war, machten es in den uns angewiesenen Stuben so bequem als möglich, reinigten uns vom gröbsten Schmutz, — denn
Ach der Dr ... im Hessenland,
Von uns allen anerkannt,
War er doch so schrecklich tief,
Dass er in die Stiefeln lief.
sangen wir später — wir suchten die uns als die besten empfohlenen Bierwirtschaften besonders den Felsenkeller auf, um den grossen Hunger und noch grösseren Durst zu stillen.