Heft 
(1896) 5
Seite
68
Einzelbild herunterladen

68

Bericht über die 2. (1. Arbeite-) Sitzung des V. Vereinsjahres

nur durch Hörensagen. Ein Vorpostengefecht zwischen den Preussen und den Bayern und Österreichern fand am 8. November wirklich statt. Mein Tagebuch berichtet, es seien zwei Bayern erschossen, ^ von preussischer Seite nur der Schimmel eines Husaren, der den heind äffend vor der Front hin und her galoppiert sei mul auf den wohl 30 Kugeln abgeschossen worden, sei verwundet, und auch dem Adjutanten des neunzehnten Regiments durch den Paletot geschossen worden. Man erklärte das Gefecht später als einMissverständnis! Historisch geworden ist nur der Schimmel.

Und wir sangen später:

Wir zusammen in der Nacht Haben ein Komplott gemacht,

Sind darüber eins geworden,

Keinen Bayern umzumorden.

Österreichsche Kaiserschützen Konnten Schimmel maustot blitzen,

Und gefährlich auf die Ehr

Ist so ein Cheveau-léger.

Unbedingtes Retirieren

Kann nur noch zum Ziele führen.

Schauns es wiir doch gar zu schad,

Fiel ein preussscher Solidat.

Den weiteren Aufenthalt in Hessen, das ewige Hin- und Tiermar­schieren will ich nur kurz berühren. Es waren im ganzen traurige Tage und Wochen, die wir erlebten. Unfreundliche, ungefällige Quartiergeber, die es sichtlich vermieden, sich mit uns in ein Gespräch einzulassen. Geschah es aber, dann bestand es zumeist aus Vorwürfen und Klagen über die Preussen, die, wie sie ja nicht mit Unrecht meinten, durch Einmischung in die hessische Verwickelung und nachheriges Imstichlassen der Be­völkerung das Übel noch viel ärger gemacht hätten. Alter nie hörte ich Ausdrücke der Unzufriedenheit mit dem Landesherrn selbst, sondern nur mit seinen Räten. Die Vorwürfe galten auch nicht uns persönlich; denn wir hielten treffliche Manneszucht, und oft genug teilten unsere braven Soldaten ihren Wirten von den gelieferten reichlichen Rationen mit. Denn viel Armut herrschte in den Dörfern, in denen wir im Quartier lagen. Mein Tagebuch ist voll von Klagen über schlechte, elende Quar­tiere, grossen Schmutz, rauchende Öfen und jämmerliche Nachtlager. Wohl wurden uns Unteroffizieren hie und da Betten angeboten, aber meist wiesen wir sie zurück und überliessen sie den Soldaten, die sie aber auch nicht immer annahmen. Das Stroh war noch immer rein­licher und zum Zudecken hatten wir unsere guten Mäntel. In einem