Heft 
(1896) 5
Seite
71
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Bericht Aber die 2. (1. Arbeits-) Sitzung des V. Vereinsjahres.

Das Weitere lässt sich leider nicht mitteilen. Endlich, endlich ver- liessen wir Hessen! Wir marschierten über Berka nach Gerstlingen und führen am 15. Dezember mit der Bahn nicht, wie wir geglaubt hatten, nach Berlin zurück, sondern bis Wittenberg. Von da begannen unsere weiteren Kreuz- und Querzüge auf preussischem Gebiet. Von Berlin war nicht mehr die Rede.

Bevor ich aber die Beschreibung der neuen Irrfahrten beginne will ich noch eines Liedes über die Landwehr gedenken, das aber nicht in unserm Kreise, also im 14. Regiment entstanden ist, sondern, wenn ich nicht irre, im 19. Regiment.

Es beginnt:

Unser König hat gerufen:

Brave Landwehr zieh hinaus.

Jeder kriegt ein Paar Sohlen,

Weib und Kind ward Gott befohlen, Ohrenklappen teilt man aus.

Und die Landwehr zog von dannen, Keiner wusste, wo der Krieg.

Auch mit wem sie sich soll schlagen, Darf die Landwehr niemals fragen, Denn das wär ja Politik.

Und so zogen unsre Krieger Mutig fort zum blutgen Strauss. Siegreich waren alle Schlachten, Doch anstatt der Lorbeern brachten Sie nur Reis und Salz nach Haus.

Unsre Linie unterdessen Zog ins Hessenland vorwärts,

Als Parole thät sie hören:

Spiele nie mit Schiessgewehrcn,

Denn das fühlt wie du den Schmerz.

u. s. w.

In Wittenberg oder richtiger in der Vorstadt hatten wir Quartier bei einemgebildeten Fischer und erfreuten uns zumt ersten Mal wieder eines reinlichen Bettes. So steht, wörtlich in meinem Tagebuch.

In einem sehr starken Marsch gings am 16. Dezember bis Jesse; am 17. bei schauerlichem Wetter nach Herzberg; am 18. in zehn- stündindigem Marsche im stärksten Regen auf aufgeweichtem Wege nach Sonnenwalde und mussten hier, durchnässt wie wir waren nur die Strümpfe konnte ich wechseln in kalter Stube, nur mit dem Mantel