Fragekasten.
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ich später in der Kgl. Zentral-Turnanstalt jahrelang in naher Beziehung stand; 1851 traf ich ihn als Hilfslehrer, wärend ich Eleve war; 1860 waren wir beide Lehrer an der Anstalt, er des Militär-, ich des Zivil- Kursus; und von 1864 bis 1869 war er als Unterrichts-Dirigent mein schneidiger Vorgesetzter. Er lebt jetzt als General-Leutnant a. D. in Hannover. Frau Prediger Schinkel war am 16. nach Berlin abgereist, wohin sie übersiedeln wollte. Sie lud uns ein, sie dort zu besuchen. Das versäumten wir nicht, und es entspann sich nun auch in Berlin ein freundschaftlicher Verkehr, der bis zu ihrem Tode dauerte und sich auf ihren Hauswirt, Dr. med. (später Geheimer Medizinalrat) Schultz und seine Familie erstreckte. Ich habe in beiden Familien schöne, unvergessliche Stunden verlebt. Als ich 1860 von Sehulpforta, wo ich mit Dr. Schultz’ Schwager, Professor Dr. Steinhart, eine nicht weniger innige Freundschaft geschlossen hatte, nach Berlin zurückberufen wurde, durfte ich auch meine junge Frau in diesen liebenswürdigen Familienkreis ein- führen, und auch sie fühlte sich hier bald heimisch und wohl. So blieben wir im Verkehr noch lange .bahre bis zum Tode des achtzigjährigen verehrten Greises.
Am 27. wurden wir aus dem Dienst entlassen; am 31. März kehrten wir nach Berlin zurück. Herr Wolff liess es sich nicht nehmen, uns selbst nach der nächsten Bahnstation zu fahren. Der Feldzug war zu Ende; wir brachten keine Trophäen, aber das Qualifikationsattest zum Offizier in der Landwehr und eine Fülle von Erinnerungen mit, die jetzt während des - Schreibens auch die 45 Jahre, die zwischen damals und jetzt liegen, vergessen liessen. Ich möchte sie nicht in meinem Leben missen.
28. Nach dem Schluss der Sitzung fand eine gesellige Zusammenkunft im Ratskeller statt.
Fragekasten.
L. M. Über die „B erlinen“ genannten Kutschen folgendes. Philipp von Chieze oder Chiesa aus einer piemontesischen Familie ging 1660 von schwedischen in brandenburgische Dienste über und erwarb als Ingenieur Ruf und Stellung, er baute u. A. am Müllroser Kanal und am Berliner Schloss mit. Als er vom Grossen Kurfürsten in Geschäften nach Frankreich geschickt wurde, liess er sich nach eigener Erfindung zu dieser Reise einen beonderen zweisitzigen, in Riemen hängenden Wagen verfertigen; da nnne dies Erfindung in Frankreich Beifall fand, so wurde sie bald allgemein,