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In Sachen des Brunold-Denkmals zu Joachimsthal.
Im Besitz des Märkischen Museums befindet sich unter anderen Handschriften F. Brunolds ein interessanter landeskundlicher Beitrag, den wir aus diesem Grunde, aber auch uni das Interesse, welches der Verewigte für die Erforschung seiner engsten Heimat hegte, darzuthun, hiermit veröffentlichen. Ein Abdruck ist im „Bär“ vom 15. Oktober 1878 vorhanden.
Sagen, Meinungen und Gebräuche aus Stadt Joachimsthal
und Umgegend.
Von F. Brunold.
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1. Links ab vom Wege, der von Joachimsthal nach Dorf Friedrichswalde führt, liegt in der Heide das sogenannte „witte Hüseken“ (weisse Häuschen). Drei ziemlich starke und mässig hohe gemauerte Pfeiler stehen wenige Schritte, einen rechten Winkel bildend, von einander entfernt. Der vierte Pfeiler, wodurch das Ganze einen quadratartigen Raum umschloss, ist nicht mehr vorhanden. Die Pfeiler sind durch hölzerne Querbalken verbunden gewesen. Ob das Ganze überdacht und mit Seitenwänden versehen gewesen ist, weiss niemand mehr zu sagen; wie denn auch niemand anzugeben vermag, wozu das Gemäuer gedient habe und zu welchem Zwecke es erbaut wurde. Der innere Raum zwischen den Pfeilern, das Erdreich, ist in etwas eingesunken — und die Sage, die Meinung ist: es habe von Schloss Grimnitz am Grimnitzsee, welches bekanntlich von Markgraf Johann 1247 als Grenzfestung gegen die Uckermark erbaut wurde — ein unterirdischer Gang bis zu diesem „witten Hüseken“ geführt. Der Ausgang des Ganges wurde zum Teil verschüttet, zum Teil ist er eingesunken. Daher die Vertiefung zwischen den Pfeilern.
2. Aus der versunkenen Stadt im Werbellin steigt von Zeit zu Zeit noch eine Jungfrau auf — um ihre Erlösung aus der wegen ihrer Üppigkeit und Sündhaftigkeit der Einwohner versunkenen Stadt zu erwerben. War da ein Fischer mit Namen M. — der fand die Jungfrau auf einem Stein am Ufer sitzen. Sie rief und klagte, als sie ihn kommen sah: Bist ein Sonntagskind, bist zur rechten Stunde im Mondwechsel geboren. Gehe hin nach dem Ort, den ich dir sage und bezeichne. Grabe stillschweigend dort — und du wirst ein gar wundersames Ding finden. Nimm’s mit nach Haus’, verbirg es dort. Es wird dein Glück sein. Und ich, ich bin — und werde erlöst. Dem Fischer graute. Er wollte ’blen Ort nicht wissen, wo er graben sollte — oder vielleicht verstand er das Wort auch nicht, das die Jungfrau ihm gesagt. Er lief davon — während er ihren Klageruf noch vernahm: Wehe, wehe dir — und mir. Hundert Jahre muss ich nun wieder der Erlösung harren. Andern Tages, es war Johannistag, ritt der Fischer in den Werbellin