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12. (3. öffentl.) Versammlung des V. Vereinsjahres.
mag, stehe dahin, jedenfalls ist es eine mindestens höchst merkwürdige Thatsache, dass mit der heiligen Christzeit des Zwölften die heidnisch germanische Festzeit des Umzugs der Götter übereinstimmt. Zweifellos hat dieses Zusammenfallen die Verbreitung des Christfestes ungemein gefördert. Auch bei den Slaven findet, wie bei allen Ariern, eine Wintersonnenwendfeier statt, auch die Zwölften werden beobachtet, Momente, welche für die Aufnahme und Ausgestaltung der Christmette und des Christbaums für diejenigen Teile Deutschlands, welche slaviscli-gemischte Bevölkerung haben, von ausschlaggebender Bedeutung war.*)
Erst die Synode von Mainz 813 ordnete /lie Weihnachtsfeier in Deutschland und zwar auf vier Tage (Tille S. 21). Weihnachten ist kein altgermanisches Wort. Nicht einmal die Westgermanen kennen es, sondern nur deren südöstlichste Gruppe, die Deütschen. Aber auch diese noch nicht bis zum Jahre 1000. Nach Tille (S. 22) ist Weihnachten entstanden aus wich = lieilich und naht = Nacht, .also Übersetzung von nox sanctissima. Die Heiligen Martin und Nikolaus, in Berlin und Brandenburg der Knecht Ruprecht, welche an Stelle heidnischer, germanischer z. T. auch slavogermanischer Götter getreten,**) werden mit Umzügen, Vermummungen und allerhand Possen, auf den Gassen und selbst in den Kirchen, während der heiligen Zeit gefeiert und treten hierbei selbst handelnd auf; auch sie werden in das Geburtsfest des Heilandes und in die Weihnachtsfestspiele gewissermassen als Schauspieler mit einbezogen. So entsteht auch hier die gleiche Verquickung von Christlichem und Heidnisch-Germanischem, dem von der Altmark ab östlich hier und da auch Züge aus dem wendischen Kultleben beigefügt werden.
Wenn Tille S. 9 sagt: „Nach den beiden grossen Schlachtzeiten des Herbstes kannten unsere Vorfahren, so viel wir wissen, kein Fest weiter bis Frühlingsanfang. Speziell von einer Sonnwendfeier in den Zeiten germanischer Religion wissen wir nichts. Ein Sonnendienst aller Germanen ist schlechterdings unerweisbar, die Deutschen kannten einen solchen sicher nicht,“ so ist dagegen zu sagen, dass an sich schon die Wintersonnenwende das auffallendste Ereignis im astronomischen und meteorologischen Jahr für die nördlichen Völker ist. Denn gerade mit Überwindung des scheinbaren Absterbens der Sonne, d. h. gleich mit
*) Auch im Kirchenlied wird Christus gerade zu wie ein Sonnengott gefeiert so bei Ch. Keymann (f 1662):
„Wonne, Wonne über Wonne:
Jesus ist die Gnadensonne,“
**) Vgl. über den hier in Frage kommenden H. Nikolaus von Myra, jetzt in Bari, meine Angaben in „Mölln und Till Eulenspiegel. Eine Wanderstudie von Ernst Friedei' 1 Berlin 1894. (Sonderabdruck aus dem Bär) S. 20 flg. Kuprecht. (.Wodan) und Knecht Ruprecht (in Wodans Gefolgen) sind echt heidnische Gestalten