Heft 
(1896) 5
Seite
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12. (3. öffentl.) Versammlung des V. Vereinsjahres.

ImIndogermanischen Volksglauben Berlin 1885 S. 37 erklärt auch W. Schwartz im Gegensatz zu Tille »len Weihnachtsbaum als Symbol des zur Wintersonnenwende wieder erstehenden Lichtbaums, also aus der urdeutschen Volks-Verehrung der sieghaften Sonne.

Der Leuchterbaum oder Lichterbaum, wie wir ihn in der christ­lichen Kirche frühzeitig kennen, hat seine Vorgänge bereits im alt- testamentalischen Kultus des Judentums.*) Gewöhnlich wird hier der siebenarmige salomonische Leuchter schlechthin citiert oder der von Titus im Triumph aufgeführte Leuchter aus dem Tempel von Jerusalem, im Relief dargestellt auf dem Arco di Tito in Rom. Es wird aber schon für die Stiftshütte 2. Mos, 25, 3110 ein <igl. Leuchterbaum auf­geführt, auch ist bei Sacharja 1, 2 die Vision von den zwei Ölbäumen und dem Baumleuchter zu beachten. Dergleichen Leuchterbäume haben sich, unmittelbar aus dem Judentum in das Urchristentum übernommen, durch alte Kunst-Stile vom romanischen und byzantinischen Stil bis in die späte Übergangs-Gotik erhalten. Insbesondere figurierten die Lichterbäume in der Weihnachtszeit und wurden vermehrt durch die eigent­lichen Christbaumleuchter oder Weihnachtslichterbäume, welche in den Kirchen für die Besucher in der Christenzeit da standen, weil diese sich teils zur Christvesper am 24. abends, teils zur Christmette (Christmesse) am 25. Dezember früh mit Lichtern einfanden und sie auf Gestellen baumartig anordneten.

Diese Gestelle sind oder waren noch in ärmeren Kirchen aus Holz, dagegen in »len ansehnlicheren Kirchen der Provinz Brandenburg von Schmiede-Eisen, teils mit Dornen, um Wachslichter darauf zu spies.sen, teils mit Tüllen, um die Lichter hineinzupassen. **) Diese handfesten bäum- oder pyramidenförmig sich nach oben verjüngenden Vorrichtungen standen auf einem langen Fuss (Stiel, Stamm), hierdurch einen wirk­lichen Baumstamm mit Krone nachahmend. Dazu sei bemerkt, dass bei uns frühzeitig auch wirkliche Bäume mit Lichterschmuck in den Kirchen gestanden haben, dass aber vielfach die natürlichen Weihnachtsbäume der Kirchen in Miskredit kamen, weil unsere Nadelbäume in der Mark früher noch mehr als seit den forstlichen Bereicheningen der letzten 150 Jahre lediglich aus den weniger ansehnlichen Kiefern Pinus sil- vestris,***) bestanden, welche wegen ihrer hängenden und sparrigen

*) Vgl. meine bezüglichen Angaben inWie kam der Weihnachtsbaum in unser Haus? inBär* XII. 188Ö S. 142 unter VI., einem Aufsatz, dessen Thesen sich in dem letzten Jahrzehnt imm'ermehr bestätigt haben, und in der erwähnten Schrift Mölln und Till Eulenspiegel Berlin 1894 S. 2528.

**) Daher auch Tüllenhäume genannnt: Tille S. 273.

***) Im Süd-Osten unserer ProvinzFichten" im WestenTannen vom Volk ge­nannt, wie denn der Ausdruck Kiefer auch in der Mittel- und Churmark mehr schrift- mässig für das volksüblicheKiene,Kienbaum ist.