Heft 
(1896) 5
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12. (3. öffentl.) Versammlung des V. Vereinsjahres.

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Zweige ein wenig repräsentatives Äussere besitzen. Auch wurde das Entnehmen der Bäume aus der Forst mitunter verboten; ferner fielen die künstlichen wie natürlichen Leuchterbäume im Weihnachtsgedränge leicht um. Man hat daher häufig Ersatzmittel, nämlich hölzerne Gestelle, von der Geistlichkeit Pyramiden genannt, mit Kieferngrün umwunden, aber ohne Stiel und Stamm, an Stelle von Weihnachtsbäumen in den Kirchen aufgestellt, ja wohl auch solche, die lediglich aus geöltem, hell­grünem Papier angefertigt waren. Der Feuersgefahr halber und da von jeher Leuchter- oder Lichter-Kronen in den Kirchen hingen, hat man ferner statt der Lichter-Bäume, sowie der Pyramiden, Weihnachts- oder Christkronen bei der kirchlichen Feier benutzt. Diese Weihnachtskronen aus geöltem hellgrünen Papier, welches auf Holzreifen aufgeklebt ist, an denen die Lichthalter befestigt sind, haben sich unverwüstlich in Berlin erhalten; so wurden sie daselbst noch in der diesjährigen Weih­nachtszeit selbst auf dem Leipziger Platz inmitten eines reichen und vornehmen Stadtteils, ebenso wie richtige Pyramiden verkauft, welche letztere im alten Berlin, wie ich mich aus meiner Kindheit entsinne, in 3 Arten zerfielen: a. nur aus Holz, Ölpapier und Rauschegold, b. aus Holz umwunden mit Kieferngrün und buntem Papier bezw. Rauschegold, c. später häufiger ebenso aber mit Fichtengrün umwunden. In Berlin werden Pyramiden und Lichterkronen fast nur noch von den ärmeren Familien benutzt, weil sie damit die Kosten und die Zeit, welche das das Aufputzen eines Christbaums erfordert, ersparen.

Ich sprach von Feuersgefahr während der Christvesper und Christ­mette*) und komme damit auf eine der Hauptursachen, welche die Weih­nachtsfeier in ihrer heidnisch- wie christlich-theatralischen Ausbildung aus den Gotteshäusern vertreiben half.

Friedrich Schleiermacher lässt in seinem GesprächDie Weihnachtsfeier, Halle 180(5, S. 71 Ernestine, die Frau des Predigers Eduard sagen:Damals nämlich wurden noch in den späten Abend­stunden die sogenannten Christmetten gehalten und bis gegen Mitternacht unter abwechselnden Gesängen und Reden von einer unstäten und nicht eben andächtigen Versammlung fortgesetzt. Nach einigen Bedenklich­keiten durfte ich wohl begleitet mit dem Kammermädchen der Mutter zur Kirche fahren, ln der Gegend des fast schon verlöschenden Christ­markts trieben sich grosse Schaaren von Knaben umher mit den letzten Pfeifen, Piepvögeln und Schnurren, die um einen wohlfeilen Preis los- geschlagen wurden, und liefen lärmend auf den Wegen zu den ver­schiedenen Kirchen hin und her. Erst ganz in der Nähe vernahm man die Orgel und wenige unordentlich begleitende Stimmen von Kindern

*) Eigentlich bedeutet Mette von matutina [hora] abgeleitet, einen Morgen- Gottesdienst, doch wird der Ausdruck, wie bei Schleiermacber, häufig auch vom Abend-Gottesdienst, namentlich protestantiscberseits gebraucht.