12. (8. öffentl.) Versammlung des V. Vereinsjahres.
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‘lierte mit lautem T-A-Plärren. In den Dorfkirchen bliesen bei solchen Gelegenheiten auch wohl der Pferdehirt, der Kuhhirt, der Schweinehirt und der Schafhirt aus Leibeskräften auf ihren unharmonischen Berufsinstrumenten durcheinander.*) Als Lärminstrumente aus jener Zeit halien sich hei uns, namentlich in Berlin, die Knarren und der Waldteufel unverwüstlich erhalten.
Kein Wunder, dass wir schon frühzeitig, wenn auch erst in der protestantischen Zeit, in der Mark Brandenbui'g obrigkeitliche Verordnungen wider den Weihnachtsunfug finden.**) Im Visitationsabschied, Berlin Freitag nach Jubilate 1574 wurde verordnet: „Also soll auch der Kat die bösen Buben, so in der Christnacht und Oster-Naclit in den Kirchen alle Büberey treiben, durch die Stadtdiener herausjagen oder in die Türme setzen hissen, damit Zucht und gute Disziplin in den Kirchen erhalten und die Gottesfürchtigen an ihrem Christlichen Gebete nicht mögen gehindert, noch sonst geärgert werden.
Damit wurde die „symbolische“ Christfeier zum ersten Male aus der Kirche vertrieben und lediglich auf die öffentliche Strasse verwiesen.
Harmloser klingt folgende Weihnachtsschilderung aus unserer Gegend, welche Georg Buchmann in seinen Annales oder Geschichtsbuch und die Chronica der Stadt Züllicli“ Küstrin 1665, (bei Tille II. 69) giebt. B. war 1598 in Züllichau geboren; das Geschilderte mag sich auf die Zeit um 1610 bis 1615 beziehen.
„Wir armen Schüler waren erst recht geplagte Märtyrer, dennoch aber hatten wir in unserm Kreutze auch allerhand Ergetzlichkeiten, die uns dann wieder aufmunterten und erfrischten. Denn kurz vor Weihnachten freuten wir uns auf das Quem pastores [das alte Weihnachtslied], und dass selbige beydes in den Schulen mit Versuchen, als in der Kirchen in der Christnacht würde gesungen werden. Und da wurden die Quem pastores Bücher unter der Zeit mit allerhand Farben ge- malilet, zugerichtet und bereitet. Wenn der heilige Abend kam, waren wir bedacht auf die Christfackeln, die wir bei dem Quem pastores gebrauchen sollten. Und da war der Glöckner, der dieselben geschrenckt, von grün, rot und anderm färben Wachse machte und den Knaben umb das Geld verkaufte . . . Umb neun Uhr des Abends ward zur zur Christ-Nacht eingeläutet. Da alsdann alle Tore eröffnet worden, und kam eine grosse Menge Volckes zur Kirchen. Und da wurden den Jungfrauen Christfackeln in ihren Gestühlen fürgesteckt, von allerhand Farben geschrenckt, von denen, die ihnen etwa günstig waren, und ward
*) Vgl. Klöden-Friedel a. a. 0. S. 308, über Ochs und Esel bei der Christfeier Tille S. 187.
**) Eine Zusaminmenstellung in Hermann Vogt’s Aufsatz „Weihnachten“ „Bär“ 1887 S. 156 flg. und E. Friedei: „Wie kam der Weihnachtsbaum in unser Haus?“ „Bär“ 1886 S. 143 Nr. IX und X.